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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 143

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 143 (sequence 15)
Language
German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XlX.Jahrh. 143 feindt von hertzen; das thun sie nicht«1). Hier kennzeichnete Luther ein schlimmes Übel mit richtigen Worten, aber wie weit war doch grade auch er von der klugen, sittlichen Aufforderung entfernt, die, im Urteile der liberaleren Mainzer theologischen Fakultät vom Jahre 1510, im Reuchlin’schen Streite, verlangte: man solle die Juden vom Wucher abhalten und zur Betätigung in den Künsten, zu Handthierungen und Arbeiten zulassen (ad alias artes, operationes et labores saltem licitas2 *), — ein Verlangen, das auch die theologische und juristische Fakultät der orthodoxen Gölner Universität damals gestellt hatten (»ut ab usuris arcerentur, ad honesta officia pro eorum sustentatione admitterentur,...«} Allerdings aber verlangten diese zugleich ein äußeres Unterscheidungszeichen für die Juden (»ut . . . Signo evidenti a Christianis distinguerentur,«) und Unterricht im Gesetze Mosis und der Propheten durch zum Christentum übergetretene Juden, in hebräischer Sprache ([ut] »per peritos conversos in lingua sua de verdate legis et prophetarum instruerentur ad gloriam dei . . . .)«8) Aber der jüdische Wucher war es doch nicht, der Luther zum grimmigen Judenfeinde machte. Der unbesiegbare Widerstand in religiösen Dingen, den die Juden dem glutvollen Reformator leisteten, war es, der seinen Zorn zur zügellosesten Wut anwachsen ließ. Das hat schon Ludwig Geiger, dessen treue und selbstlose Bemühung so Vielen reiche Kenntnis jüdischer Verhältnisse vermittelte, in seinem Aufsatze : Die Juden und die deutsche Literatur4) betont. »Die maßlosen Ausdrücke gegen die Juden« sagt er »überraschen bei ihm nicht sehr; sie finden ihre Analogie in seinen gleich maßlosen Reden wider die Bauern, wider verschiedene persönliche Gegner, wider ג) Tischreden Nr. 628. 2) Böcking: Hutteni opera (in der angeführten Ausgabe. Böckings), Suppl. I, S. 9ö. 8) Ebendaselbst, S. 95. 4) A. a. O. S. 327.

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