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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 139

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 139 summi hostes bibliae? Ich sehe wol, wo unsre Hebraei hinaus wollen. Sie wolten gern, das wir unser neu testament selten vorlieren und das niemer hetten. Drumb sehe ein ittlicher auf dasselbige vleissig! Das wirt in das alte wol lernen vorsthen. Wenn Moses sagt von dem Christo, so nehm ich in an; sonst soll er mir nichts sein. So sagt Christus: »In Mose und propheten de me scriptum est«1). Luther wirft den Juden vor, daß sie den Sinn (sententiam) der Bibel nicht verstünden, nur die Worte übersetzten sie, ohne deren Stellung (figuram) zu beachten. In der zuletzt angegebenen Zeit äußerte er sich darüber so: »Si quis vult tantum inhaerere nudis verbis et non considerare figuram, der wirt ein seltzamen sententzen colligirn, . . . Drumb haben wir verba, figuras und rem zugleich angesehen. Die drei stuck mussen beieinandersein. Judaei non intelligunt biblia, quia rem non intelligunt«2). Einen Teil dieser Auffassung bildete natürlich auch die Überzeugung von der abergläubischen Auslegung ihres Religionsgesetzes seitens der Juden. Aber wir erfahren durch Luther auch, wie hoch sie sich im Besitz ihrer religio- *) Tischreden Nr. 596, 2) Tischreden Nr» 538. », . . Wir haben einen grossen vleis bei der bibel gethan und auf den sentenfz gesehen, quae congruit cum grammatica. Noch haben wir dem Münster nicht zu gefallen ge* than. O, die Hebraei — ich sag auch von den unsern — judentzen sehr; drumb habe ich sie auch in eo libello, quem scripsi contra Judaeos, auch gemeint. Sie werden sich auch aus der bibel studiren, wie wir vorzeiten uns aus dem Virgilio und Terentio gestudirt haben. Wir hatten wol die wort, aber wir vorstunden nicht sententiam, Sie hengen schlecht in verbis, non considerant figuras verborum, quae tarnen in omni sermone non sunt negligendae. . . . Si quis vult tantum inhaerere nudis verbis et non considerare figuram, der wirt ein seltzamen sententzen colligirn,...« Unter * dem Münster« ist Sebastian Münster zu verstehen, der, im Jahre 1535, kritischen Sinnes die hebräische Bibel mit einer Übersetzung veröffentlicht hat: die erste vollständige Ausgabe des hebräischen Textes. Siehe Ludwig Geiger’s Artikel Sebastian Münster im 23. Bande der Allgemeinen

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