Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / Behrens
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 756 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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755 Besprechungen. können. Seine Rede schöpft ihre Kraft, aus der Sicherheit, mit der sie* den IVlidrasch und die Sehrifterklärimg-: der alten Meister mit philospphischen und geschichtlichen Erörterungen zu verknüpfen versteht*, aus, der Art,, wie sie die neuere Bibelwissenschaft für die Kanzelrede fruchtbringend zu machen: sucht, und nicht zuletzt aus der Selbständigkeit, mit der M. den heiligen Text auszuleg.eit bemüht ist. — Vgl. S. 17 ff und S. 166 ff. — Die Berechtigung dieses Verfahrens bedarf kaum der Begründung. Beruht sie schon an sich in der Freiheit und Eigenart der jüdischen Schriftdeutung, so darf sich M. vollends, auf M. Joel berufen, der glänzend den Nachweis geführt hat, daß die jüd. Kanzelrede das Recht für sich in.Anspruch nehmen darf, in der Exegese, selbständige und eigene Wege zu erstreben*).. Scharfe Worte der. Verurteilung und der Abwehr findet M. gegen den, gesellschaftlichen und politischen Judenhaß, und nicht minder unerschrocken führt: er seine. Polemik gegen das; Christentum, seine Kampfesweise ist durchaus, sachlich und. erinnert an die Entschiedenheit? mit der ein$t Ähr. Geiger das; Judentum gegen den Hochmut protestantischer Theologen verteidigt hat. Musterhaft sind dieser Predigten in, Anlage, Aufbau und Gedankenf ührung.v Mit dein em: Verständni s>für den Genius: der deutschen Sprache verbindet? ein. bemerkenswertes Formtalentj er handhabt mit Sicherheit? seinen? Stoff- und entwickelt selbst5 den schwierigsten Gegenstand klar und: verständlich, eindringend: und prägnant. Seine Sätze: sind kurz, wohlgefeilt| und: feingeschliffen, sie sind den natürlichen Gesetzen angemessen, die dem Redner rfür die Kunst des mündlichen Vortrags, des: lebendigen Sprachgebrauchs gegeben sind^ und? fast: immer steht: ihm ein treffender Ausdruck, eine geeignete Redefigur, ein glückliches Bild und ein anmutiges Gleichniszuk Gebote. Die; M.’sche Predigt ist entschieden < ein Kunstwerk, sie wird: unstreitig, den besten Erzeugnissen, der: homiletischen Literatur zuzuzählen sein und diesen Platz dauernd behaupten. Der Sammlung ist eine Gedächtnisrede auf Frau Emilie May.- bäum, gehalten von Direktor Dr. Michael Holzmann, als Widmung: vorangestellt. Im Anhänge sind den Sabbathpredigten eine Reihe von Reden beigegeben worden; diebeiverschiedenartigen festlichen und ernsten Anlässen gehalten würden. Auch sie werden wie die bisher veröffentlichten Kasualreden eingehender Beachtung sicher sein. Denn sielführen erneut den Beweis, daß Mi diesen Zweig der jüdischen* Predigt mit vieler; Liebe besonders gepflegt und eigentlich erst zur 2) VgL Predigten M. JoelsJ hgg. aus,seinem Nachlaß, Bd. I, S*. 110 ff, Bd, III,,S. 40 ff.