Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / Behrens
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 755 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829818--36688-2888949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen. T55 "die uns als moderne Menschen, aber auch als Glieder unserer Glaubcnsgemeinde bewegen und beschäftigen, eine nicht genug zu betonende Aufgabe unserer Tage, die geeignet erscheint, die zahlreichen und verschiedenartigen Bemühungen zu unterstützen, soweit sie darauf abzielen, die Treue gegen die Religion und die Liebe zum Judentum zu stärken und zu festigen1). Und dazu sind die hier vorgelegten Predigten sicherlich ganz vortrefflich geeignet. Sind auch diese Sammlungen — der vorliegende Band bildet die Fortsetzung des 1894 erschienenen, der die Predigten und Schrifterklärungen zum I. und II. Buche Moses enthält — in erster Linie' als Ergänzung seiner »Homiletik« und als praktische Durchführung der darin für die jüdische Kanzelrede auf gestellten 'Normen gedacht, so versteht sich, daß neben dem Fachmann weitere Kreise an dieser Veröffentlichung lebhaft interessiert sind. Bedeutet doch dieses Buch für viele eine willkommene Erinnerung an ernste Stunden, in denen die diesen Reden innewohnende Kraft, der Nachdruck ihrer Beweisführung und ihre ansprechende Form weihevolle Stimmungen geweckt hat, und diesem Eindruck wird auch der Leser sich nicht entziehen können, der nicht mehr unter der Einwirkung 4es gesprochenen, lebendigen Wortes steht. Denn wenn irgend ein Buch so stellt ein Predigtwerk ein persönliches Bekenntnis dar, das erst von einer starken, persönlichen Note Licht und Leben und das entscheidende individuelle Gepräge empfängt. M. ist kein Freund der Halbheiten, mit Mut und mit Folgerichtigkeit vertritt und verficht er die Rerechtigunng des Liberalismus im Judentum der Gegenwart. Aber er läßt keinen Zweifel darüber, daß er nicht einer gewaltsamen, grundstürzenden Reform das Wort redet; an mehr als einer Stelle weist er darauf bin, daß nur auf dem Boden des geschichtlich Gewordenen eine langsame und besonnene Umgestaltung einsetzen kann, daß alle Entwickelung anknüpfen muß an das traditionelle Judentum. Er weiß sich weit davon entfernt, seinen besonderen religiösen Standpunkt seinen Zuhörern bei jeder Gelegenheit darlegen oder gar aufdrängen zu wollen, nur wo die Deutung des Schriftworts ihn ungezwungen zur Aufnahme dieses Gedankenkreises und zur Behandlung dieser eminent wichtigen Tagesfrage führt, leitet er seine Betrachtungen dazu über. Wenn er aber — S. 174 — »die Muttersprache zum vorherrschenden Element im Gottesdienst erhoben« wünscht, so werden viele ihm auf diesem Wege nicht folgen x) Der Oberrat der Israeliten in Baden hat angeordnet, daß die Predigten der Bezirksrabbiner den kleineren Gemeinden abschriftlich übersandt und im Gottesdienst durch den Lehrer verlesen werden, 48*