Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / Behrens
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 754 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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754 Besprechungen. ftiaybaum, S. Prof. Dr., Predigten. Dritter Teil: Predigten und Schrifterklärungen. Zweites, drittes und viertes Buch Moses. Berlin 1907. Selbstverlag des Verfassers. 8°. XVIII -J- 268 SS. Sabbathpredigten sind eine verhältnismäßig seltene Erscheinung in der homiletischen Literatur. Die einschlägigen Sammlungen von M. Sachs, M. Joel und B. Rippner um nur einige zu nennen — sind uns erst aus ihrem Nachlaß zugänglich gemacht worden, und es ist ein bemerkenswertes Symptom, daß jahraus jahrein wohl eine Fülle von Festpredigten veröffentlicht wird, daß aber der Besitzstand an fortlaufenden sabbathlichen Betrachtungen zu den einzelnen Reihen der Schriftabschnitte recht gering und spärlich sich ausnimmt. Dadurch wird sehr leicht der Eindruck erweckt, als ob dieser Zweig der Kanzelrede nicht genügend in unsern Kreisen gepflegt werde, und als ob sie nicht als fruchtbar und ergiebig sich erweise. Daß diese Annahme irrig ist, bedarf keiner Erhärtung. Beklagenswert bleibt es indessen, daß wir auch darin hinter den anderen Konfessionen weit zurückstehen. Nicht Durchschnittsware ist es, die alljährlich auf dem Büchermarkt auftritt, sondern es sind ganz vorzügliche und hervorragende Leistungen, die damit dem religiös interessierten Publikum geboten werden, und jede Richtung ist vertreten, und jeder Geschmack findet seine Rechnung, von der strengsten, starrsten Orthodoxie herab bis zu dem radikalsten, modernsten Freisinn, vom buchstabengläubigen Dogmatiker bis zu dem leidenschaftlichen, glühenden Bekenner und Vertreter der dogmenlosen Kirche1). Dadurch ist eine ganze Literatur von Erbauungsschriften entstanden, und gerade dieses Gebiet ist es, das bei uns noch wenig angebaut ist, und doch ist ein Bedürfnis danach unleugbar vorhanden, wie ich bereits im 50. Jahrgang dieser Monatsschrift ausgeführt habe. Die Predigt verdankt ihre Entstehung und Entwickelung einzig der Eigenart jüdisch-religiösen Lebens, das hat selbst Bousset rückhaltlos zugegeben. (Die Religion des Judentums im neutestainentlichen Zeitalter, T. Auflage* S. 154.) Ist das aber von Haus aus unsere Domäne, auf die wir ohne ernstlichen Schaden für unsere Gesamtheit nicht verzichten können, dann sollten wir Sorge tragen, daß jedem Gelegenheit gegeben werde, Predigten zu hören oder doch zu lesen und dadurch sachgemäße Belehrung über das Gotteswort und darüber hinaus Aufschluß über die tieferen Zusammenhänge des Lebens, über die ernsten Fragen und Probleme zu finden, *) Man vergleiche die Bücher des maßvollen Konservativen, früheren Breslauer Universitätspredigers Kawerau mit denen des bedeutendsten Vertreters der radikalen kirchlichen Richtung Alb, Kalthoff.