Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 744 (sequence 6)
- Language
- German
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744 Besprechungen. später Amoräer in der einen Quelle aus einer andern Quelle als Baraitha bekannt sind. So ״wird auch die in Frage stehende Nachricht, deren tannaitischer Ursprung aus der Toseftha und dem Babli an drei Stellen verbürgt ist, im Jer. im Namen R. Joch an ans über־* liefert. Auch nach des Verfassers Erklärung der auf דמאי bezüglichen Verordnung des Hohenpriesters Jochanan bleibt doch die Tatsache bestehen, daß zur Zeit dieses Hohenpriesters die gesetzlichen Abgaben nicht regelmäßig entrichtet wurden. Daß diese Lauheit eine Folge politischer Wirren und Kämpfe war, ist wahrscheinlich, aber noch wahrscheinlicher ist es, daß diese Lauheit auch nach dem Aufhören der Wirren und Kämpfe aus Bequemlichkeit fortgedauert hat Der Am ha-Arez, d. h. der im Entrichten der gesetzlichen Abgaben Lässige, hat existiert lange bevor sein Name erfunden wurde, wovon ja Büchler selbst öfter spricht. Warum sollte nun die Nachricht der Baraitha unhaltbar sein? $, 17, Anm. 1. Die Erklärung Raschis steht in der Gemara. Auch Raschi hat die aus der Bedeutung von אין צריך sich ergebende Schwierigkeit gespürt, und erklärt daher, daß es sich auf לוקח מחבר bezieht So auch R. Simson. Freilich ist dadurch die Schwierigkeit nicht ganz behoben. Der Babli ist aber zu dieser Erklärung durch seinen Alischnatext gezwungen worden. Er las שכל ימיו לא היה צריך אדם, Jochanan hat also nur eine דמאי betreffende Verordnung eingeführt, während nach dem Jerusch, an zwei Verordnungen gedacht werden muß. Die Annahme des Verfassers, daß יוחנן כ״ג nicht Joh. Hyrkan, sondern ein Hohenpriester namens Jochanan in den letzten Jahrzehnten des Tempels ist1), wird schon in einer Glosse des Kommentars R. Simsons zu Para in, 8 ausgesprochen: ובמשנה סוטה יוחנן כ״ג ומיד משבטלה סנהדרין שמע מינה דקרוב היה לחורבן הבית. Äußerst merkwürdig ist die Lesart der Erfurter Tosefthahandschrift, die nicht יוחנן כהן גדול, sondern רבן יוחנן בן זכאי liest. Vielleicht ist die Behauptung nicht allzu gewagt, daß diese Lesart keine bloße Verschreibung ist, und auch nicht im Widerspruch steht zur Angabe der Mischna, sondern: Jochanan derHohepriester ist kein anderer als Rabban Jochanan ben Sakkai. Daß R. Jochanan ein Priester war, steht fest2). Er hat Priesterhebe gel) Ausführlicher begründet in seinem »Synhedrioti«, S. 79, Note 87, vgl. auch S. 91 i., 135. 8) Was dagegen geltend gemacht wird, vgl. Seder ha־Doroth, ist kaum beachtenswert. Der Umstand, daß R. Jochanan einmal von den Priestern in dritter Person spricht, kann doch nicht als ernster Beweis dafür gelten, daß R. J. selbst kein Priester war.