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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 6 · p. Seite 654

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 6
Article
Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
Date
1908-01-01
Page
Seite 654 (sequence 14)
Language
German
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654 Die Stellung des Simon ben Zemach Duran etc. billigung darüber ausspricht, daß Gersonides sich der def Tradition widerstreitenden Lehre des Alexander von Aphrodisias vom Wesen der Seele angeschlossen habe, so begründet er seinen Vorwurf damit, daß Gersonides dies nur aus dem Grunde getan habe, weil er die Ansicht des Alexander nicht habe widerlegen können, ohne daß er einen stringenten Beweis für deren Richtigkeit beibringen konnte. In einem solchen Falle aber müßte man zur Thora zurückkehren und der Überlieferung vor den vagen Behauptungen der Philosophen den Vorzug geben1). Danach würden die Lehren der Philosophen, die als streng bewiesen gelten dürfen, für uns auch dann als maßgebend zu betrachten sein, wenn sie mit der Tradition scheinbar im Widerspruch ständen. Wie hoch Duran überhaupt die menschliche Denkfähigkeit anschlägt, das zeigt folgende der Einleitung zum Magen Abot angehörende Ausführung, die ihrem Grundgedanken nach allerdings auf Saadja zurückgeht. Der Mensch, so heißt es da, ist von Natur befähigt, sich ohne Anleitung durch einen Andern alle Erkenntnisse anzueignen, denn wenn er zur Erlangung der Erkenntnis unter allen Umständen der Unterweisung eines Andern bedürfte, so würde das bis ins Endlose fortgehen. Es gibt aber drei Arten, wie sich die Menschen der Erkenntnis gegenüber verhalten:!. Das Streben nach Erkenntnis wird, bevor es noch zum Ziele gelangt ist, unterbrochen durch die Hingabe an die Begierden, die den Menschen von der Erkenntnis ablenken, wie es bei Adam durch den Sündenfall geschehen ist. 2. Der Mensch gibt sich, von allen Begierden unbeirrt, dem Streben nach Erkenntnis hin und gelangt so nach eifrigem Bemühen zu dem ihm gesteckten Ziele, wie es bei Abraham der Fall war. 3. Der Mensch ist nicht nur mit der natürliehen Denkfähigkeit ausgestattet, sondern er ist von Gott noch besonders begnadet, so daß er ohne langes Nachdenken, gewissermaßen durch göttliche Eingebung, zur *) M. A. S. 82 b.

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