Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
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646 Die Stellung des Simon ben Zemach Duran etc. Wohl entscheidet sich Gersonides in Übereinstimmung mit Maimonides für eine zeitliche Geschaffenheit der Welt, trägt aber kein Bedenken, ein der Weltschöpfung vorausgehendes ewiges Substrat oder die Ewigkeit der Materie anzunehmen. Wie mit dem Schöpfungsproblem, so verhält es sich auch mit dem Problem über das göttliche Wissen. Hier hatte Maimonides die sich aus dem Aristotelismus ergebende Konsequenz, nach der ein Wissen des Endlichen oder der Einzeldinge von Gott auszuschließen sei, dadurch abgewiesen, daß er eine völlige Verschiedenheit des göttliehen und des menschlichen Wissens annimmt und zwischen ihnen nur eine Namensgleichheit und keine Sachgleichheit bestehen läßt. Gott erkennt die Dinge nicht a posteriori oder von den Dingen aus, sondern er erkennt sie a priori oder aus seinem eigenen Wesen heraus; indem er sich, die alleinige Ursache von Allem, erkennt, erkennt er alles Einzelne, das dieser Ursache entstammt. Auf Grund dieser Unterscheidung des göttlichen und des menschlichen Wissens beseitigt Maimonides auch die Schwierigkeit, wie die Allwissenheit Gottes mit der Natur des Möglichen oder mit der menschlichen Willensfreiheit zu vereinigen sei. Im Gegensatz hierzu hat Gersonides dem Aristotelismus auch in dieser Frage das vom Standpunkt des Judentums aus bedenkliche Zugeständnis gemacht, daß er die Allwissenheit Gottes sich nicht auf die Einzeldinge als solche erstrecken läßt, daß nach ihm Gott als die Ursache aller Realität die Einzeldinge vielmehr nur insoweit erkennt, als sie selber etwas Reales, also Gutes und Wißbares darstellen* 1). In diesem Entwicklungsstadium des jüdischen Denkens tritt uns in Simon ben Zemach Duran (geb. 1361 in Mallorca, gest. 1444 in Algier), einem Verwandten des Gersonides2), לסתור חומד. זו וכר. Die Bezeichnung dieses Grundsatzes als einer Mauer, die er um die Religion herum gebaut habe, stammt von Maimonides selbst, vgl. More II, cap. 17 (Munk, Guide II, S. 137). 1j Joel a. a. O. S. 309, 312. 2) Rechtsgutachten (im Folgenden mit G. A. bezeichnet) I, Nr•