Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 598 (sequence 8)
- Language
- German
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598 Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. in ihren Spuren weiter wandelte. Bei diesem Gaon war es wiederum der Einfluß des mit Palästina immer eng verbundenen Aegyptens, zumal er sich auch im heiligen Lande aufgehalten hat, der ihn den Pijjutim geneigter machte. Und, wie zur gaonäischen Zeit wiederum die geistigen Strömungen Palästinas nach Italien hinüber״ griffen, wo im zehnten Jahrhundert die Mitglieder der Familie Kalonymus als Paitanim gelten, dieses Land aber seinerseits einen starken Einfluß auf Deutschland ausübte, so sehen wir auch, wie die größte Autorität Deutschlands an der Jahrtausendwende, R. G e r s c h 0 m, trotz der gegen-!eiligen Entscheidung eines Gelehrten, zu Gunsten der Pijjutim mit großerWärme eintritt, mit Berufung auf Natronai Gaon1), und wiederum im Anfang des XIII. Jahrhunderts tritt, diese Tradition hochhaltend, der in Rom wirkende Zidkia ben Abraham in seinem RitualwerkSchibbole ha-Leket2) energisch für die Beibehaltung der Pijjutim ein. II. Die Entwickelung der Massora. Indem wir nun Palästina als das eigentliche Land der Pijjutdichter erkannt haben, deren größter vielleicht in Tiberias gewirkt hat, wollen wir nun eine andere Haupttätigkeit betrachten, deren Pflegestätte die genannte Stadt gleichfalls war, die der Massoreten. So verschiedenartig auch diese beiden Geistesrichtungen sein mögen, eines war ihnen beiden gemeinsam: die Pflege der hebräischen Sprache. Haben die Paitanim den Sprachschatz zu erweitern gestrebt, so haben die Massoreten den Bestand des hebräischen Sprachgutes zu wahren gesucht und somit den Grund zu dem stolzen Gebäude der hebräischen Sprachwissenschaft gelegt, das von dem tiefeindringenden jüdischen Geist beredtes Zeugnis ablegt. Und, wie der 1) Dessen oben erwähntes Gutachten wird dort ungenau als voller Beweis für R. Gersclioms Ansicht zitiert. *) Vgl. a. a. O, S. 25—27,