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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 5 · p. Seite 557

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 5
Article
Michael Sachs
Date
1908-01-01
Page
Seite 557 (sequence 18)
Language
German
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IRI
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Michael Sachs. 557 Eine echte Prophetennatur wendet Sachs die Schärfe s ei n es Urteils und die Strenge seines Maßstabes der Gegenwart zu. Er wendet sich gegen ihre Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, gegen »die Übereilten und Leichtfertigen; die eine ganze Vergangenheit in den Abgrund versenken, weil sie ihnen fremd ist, weil sie ihren Inhalt nicht kennen; ihre Bedeutung nicht fassen, gegen die Erkalteten und im Gemüte Verarmten1)«. Er wendet sich gegen die Reichen und Vornehmen und klagt, daß es dem Judentum an einer echten Aristokratie fehle, die es frei und stolz nach außen, wie nach innen vertrete, die seine großen Traditionen hochhalte und das Beispiel eines wahrhaft edlen jüdischen Lebens gebe. Fest und ruhig, ohne Scheu vor einer ihm daraus erwachsenden Gegnerschaft tritt er populären Wünschen und Neigungen, die er für unberechtigt oder gar gefährlich hält, entgegen. Er bekämpft die Einführung einer Orgel in die neuzuerbauende große Synagoge wie mit rituellen Gründen, so auch aus der Empfindung seines religiösen Selbstbewußtseins. Er sieht in dem Verlangen danach ein »Armutszeugnis«, das der Synagoge ausgestellt wird, eine Unterschätzung ihrer eigenen gottesdienstlichen Kräfte, eine Entlehnung und Nachahmung fremder Kultuseinrichtungen, weil man das Eigene und Bekannte nicht zu würdigen vermochte und befürchtet von ihrer Einführung eine »Veräußerlichung des Gottesdienstes«, daß aus ihm »ein Oratorium, aus einem Herzensbedürfnisse, das in der religiösen Pflicht seinen Ausdruck und seine Befriedigung findet, eine künstlerische Darstellung werde«. »Es bedarf,« sagte er, »für die aus religiösem Sinne den Gottesdienst besuchenden keiner neuen Anziehungs- und Reizmittel, so gewiß als für die, welche durch deren Anwendung gewonnen werden sollen, diese nicht erhalten werden. Wir haben ' für unser religiöses Bewußtsein den *) Predigten. I, S. 130.

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