Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 547 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Michael Sachs. 547 von den Einflüssen der griechischen Kultur durchdrungen wurde. In den ersten Jahrhunderten nach der Ausbreitung des Hellenismus im Oriente waren es nur »Personennamen und Institutionen, Gegenstände des Handelsverkehrs und des Lebensgebrauchs, Bezeichnungen des Naturhistorischen und der Werke des Kunstfleißes, Urkunden und Dokumente«, die sich dort eindrängten. Diesen Stand der Dinge zeigen noch die Mischna und die Tosifta, sowie die älteren Bestandteile der Midraschim1), also die literarischen Zeugnisse einer Zeit,; in der die jüdische Gemeinschaft noch eine gewisse Selbständigkeit besaß. Mit deren Auflösung wird der fremde Einfluß immer stärker und bekundet sich durch ein förmliches Sprachgemenge von griechischen und römischen Elementen in den späteren Midraschim. Sie zeigen uns das weitere Eindringen von Lebensverhältnissen, Gewohnheiten und Sitten2). Auch griechische Sagen, Dämonologisches und Beschwörungsformeln treten uns in oft überraschender Weise entgegen®). Andererseits wandern die Sagen des Midrasch über Abraham, Salomo, Alexander u. a. durch Vermittelung der Kirchenväter zu den Byzantinern4). Sprichwörter und Redensarten werden ausgetauscht. Es ist ein Geben und Nehmen, das von den vielfachen Berührungen der verschiedenen Volkskreise uns Kunde gibt. Nicht weniger interessant sind die Parallelen, welche Sachs aus einzelnen griechischen und römischen Schrift- Stellern zu einer Anzahl Stellen des Talmud und des Midrasch bietet. Merkwürdige Nachrichten über Naturereignisse, Krankheiten und Heilmittel, die von diesen berichtet werden und ihnen seitens mancher christlicher Theologen den Vorwurf des »rabbinischen Aberwitzes« J) S. 4. ף I S. 44, 82, 109 ff, II 52, 168. ף I, 51 ff,, II, 113 ff. ‘) I, 65 ff., 106 ff., II, 97 ff. 35*