Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 4)
- Language
- German
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Michael Sachs. 543 Es ist eine Ernte aus fast dreißig Jahren, die in den beiden Sammlungen der »Stimmen von Jordan und Euphrat« vereinigt ist. Aus den großen Vorräten des Midrasch holte Sachs sich seine Stoffe, wie ein Gedanke, der ihn gerade beschäftigte, eine Anregung von außen, oder auch eine ihn ergreifende Stimmung sie ihm nahelegt. Und ebenso entstanden seine poetischen Bearbeitungen derselben gelegentlich, in Stunden der Muße, oder auch im Anschlüsse an seine homiletische, oder wissenschaftliche Tätigkeit. Nicht selten aber waren es auch seine eigenen Erfahrungen und Empfindungen, die sich in seinen Gestaltungen von Gedanken und Ereignissen vergangener, ihm aber lebendig nahestehender Geschlechter Luft machte. So erzählt Rabbiner Joel in seiner Trauerrede auf ihn1) von einer Vorlesung dieser Gedichte, die er wenige Monate nach dem Hingänge des ältesten Sohnes von Sachs, dem dieser die tief ergreifenden Worte am Eingänge zum ersten Bande seiner »Stimmen« gewidmet, erlebte. Sachs’ »tiefe Frömmigkeit hatte sich als heilender Balsam gelegt in die Wunde seines blutenden Vaterherzens und er zeigte sich wieder der Welt als der frische ungebrochene Mann, als den sie ihn bis dahin gekannt. Da wollte er mir die Freude machen, mir die Fortsetzungen seiner Poesien, die unter dem Namen »Stimmen vom Jordan und Euphrat« so gekannt und geschätzt sind, vorzulesen. Es war das Leben des Patriarchen Abraham, das er mit dichterischer Kraft in ein religiöses Epos voll erhebender Handlung umgewandelt hatte, und er las es, wie seine Art war, voll Ausdruck und Munterkeit. Auf einmal stockte der starke Mann und ich hörte ihn schluchzen und weinen. Er war an die biblischen Worte gekommen: ״Gieb mir deinen Sohn, den geliebten, und bringe ihn mir dar als Opfer.“ Ach, das Opfer, das er selber gebracht und das er י) B. 11, der Predigten aus seinem Nachlaß. S. 272 f.