Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829817-2888658--36442-2888700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zum Andenken an Moritz Veit. 531 übrigen Gemeinden in Verbindung gesetzt haben. Es ist weit wirksanier, wenn aus allen Gegenden der Monarchie Eingaben einlaufen, die den Gegenstand von den verschiedensten Seiten beleuchten, während eine von vielen Unterzeichnete Denkschrift doch nur als das Werk eines Einzelnen betrachtet wird, der, wenn das Ding ungünstig auf genommen würde, die Mitunterzeichneten »verführt« hat. Haben Sie nun die Güte an ihrem Teil den dortigen Vorstand von der Notwendigkeit zu überzeugen, daß er bald eine Eingabe werde einreichen müssen, wenn die rechte Zeit nicht verfehlt werden soll. Denn ist einmal die königliche Kabinettsordre beraten und ein ungünstiges Conclusum des Staatsministeriums gefaßt, so ist Vieles versäumt. Breslau wird ebenfalls petitionieren, auch vom Rhein und Westphalen lassen sich Stimmen vernehmen. Und wenn man bedenkt, daß von Posen aus wahrscheinlich in entgegengesetztem Sinne verfahren werden wird, so können die deutschen Gemeinden Preußens die wirkliche Mißstimmung, in die sie durch jene Gerüchte versetzt worden, nicht energisch genug aussprechen. Ich schmeichle mir damit, daß Sie der Konzipient der Königsberger Adresse sein werden: soll ich mir noch einen Rat erlauben, so halte ich es für genügend, wenn Sie sich nur an den König wenden. Es scheint mir nicht unmöglich, daß er, wenn die wirkliche Stimmung der Juden ihm vor» geführt wird, den ganzen Vorschlag zurücknimmt, zumal ich fest überzeugt bin, daß er von den besten Gesinnungen beseelt ist und der Mehrzahl der Juden wohlzutun glaubt. Wenn wir aber dies Resultat erreichen, daß der Vorschlag garnicht erst die übrigen Stätten der Gesetzgebung zu durchlaufen braucht, so haben wir einen Sieg errungen, der uns im Verfolge gewiß von großem Nutzen sein wird. Ich habe oben anzugeben vergessen, daß in der Kabinettsordre an das Staatsministerium auch ganz bestimmt davon die Rede ist, die Juden in der medizinischen und philosophischen Fakultät zu Lehrämtern zuzulassen. Verzeihen sie meine Eile! Herzlichen Gruß Freund Moser von Ihrem hochachtungvoll ergebenen M. Veit. Nr. 5. Der folgende Brief Frankels ist von besonderer Wichiigkeit, da er eine Art Vorgeschichte für das Journal enthält, in dem er nun abgedruckt wird. Einer weiteren Erklärung bedarf er nicht. 341