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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 5 · p. Seite 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 5
Article
Zum Andenken an Moritz Veit
Date
1908-01-01
Page
Seite 532 (sequence 20)
Language
German
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532 Zum Andenken an Moritz Veit. Z. Frankel an Veit. Dresden, den 24. Oktober 1843. Geehrter Herr und Freund! Ihr inhaltvolles Schreiben vom 19; d. M. hat mir reichhaltigen Stoff zum Denken und Reflexionen und Schlüssen gegeben; und kaum bin ich noch selbst im Reinen mit mir, was ich Ihnen zuerst sagen, und wie ich Ihrer offenen und freundschaftlichen Sprache auf entsprechende Weise entgegenkomme. Daß Sie für das Judenthum gewonnen sind und seinen Iiiteressen sich hingeben hat auf mich den erquicklichsten Eindruck gemacht. Sie klagen sich zwar selbst noch einiger Ketzereien an, die Sie im Hintergrund verborgen halten; doch glauben Sie mir, wenn Sie sie werden ausgesprochen und mit der Schärfe Ihres Geistes geprüft haben, so werden sie viel von ihrem Stachel, der Sie vielleicht selbst verwundet und Ihnen einen Titanenkampf vörspiegelt, verlieren. Sie selbst werden zur Erkenntniß einer historischen Basis des Judentums, und daß es nach seiner Ent Wickelung zu verfolgen seij gelängen. Dieses macht, geehrter Freund! den Unterschied zwischen der kalten und rasonnierenden Forschung, die Alles a priori betrachtet und daher auch das Judentum so ansiehet, als wollte es sich erst heute setzen und wäre die Frage, ob wir von aller Religion entblößt erst heute das Judenthum annehmen sollen : und zwischen dem nicht im Idealen allein verweilenden sondern auch die Realität beherzigende Syn . . . tismus. Wir leben nun einmal in einem Positiven, unsere edelsten, sittlichen und religiösen Momente sind mit ihm zu einem Ganzen verwachsen: ja wir haben das Ediere an uns ihm zu verdanken, da es uns durch so viele Jahrhunderte geborgen und auf der Höhe der Sittlichkeit erhalten hat. Sie selbst, mein Freund! so viel Sie bei Ihren kleinen Ketzereien sich von ihm lossagen mögen, Sie danken ihm doch ungemein viel: Ihr stilles häusliches Leben, Ihr ehrenwerther Charakter, er trägt unstreitig viel an sich von den Eindrücken, die Sie in Ihrer Jugend von Ihren Eltern, die in diesem Positiven großgezogen und mit ihm getränkt und ernährt waren, erhielten. Also steigen Sie nur einmal von den Nebelhöhen der trockenen Reflexion in das Leben hinab und Sie werden erkennen, daß das Judenthum außer dem sehr tiefen aber nur zu häufig zum trockenen Schematismus mißbrauchten . . . das innigste religiöse und sittliche Leben enthalte. Doch bin auch ich nicht gemeint, daß wir bei dem Realen

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