Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 526 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Zum Andenken an Moritz Veit. durch Ihr Unternehmen so wesentlich gefördert, daß rege Theilnahme und thatkräftige Unterstützung aller denkenden Juden Ihnen gewiß ist. — Unsere Gemeinde ist, wie bekannt, der bedeutenden Mehrzahl nach gutgesinnt, aber wenig bemittelt; der Vorstand derselben hat darauf angetragen, dem Seminar einen jährlichen Beitrag von 50 Thaler aus der Gemeindekasse zukommen zu lassen. Ich will nur erst die Annahme dieses Antrages abwarten, um dann in Gemeinschaft mit unserem Ältesten (Hr. W. Friedländer) noch eine besondere Sammlung zur Unterstützung des Seminars zu veranstalten. Zur Zeit benachrichtige ich Sie von dem Erfolge. Auf die Eingabe der drei Gemeinden von Berlin, Breslau und Königsberg an den König ist bis jetzt noch keine Antwort ertheilt. So sehr mir auch die Eingabe gefiel, schien mir doch gleich weder eine schriftliche Vorstellung zweckdienlich noch die Zeit günstig gewählt. Eine p e r s Ö n 1 i c he Zusammenkunft einiger zu diesem Ende von der ganzen Gemeinde erwarteten Vertreter in Berlin würde, glaube ich, zu einem besseren Resultate führen und für die äußern und innern Verhältnisse der preußischen Juden bei weitem förderlicher werden. Daß jetzt noch nicht die Rede davon sein kann, versteht sich von selbst. Stimmt hierüber aber Ihre Ansicht mit der meinigen überein, so wäre es vielleicht gut, bei Zeiten die Vorbereitungen zu einem solchen Unternehmen zu treffen, und würden Sie mich daher durch gefällige Mittheilung Ihrer Meinung sehr verbinden. Beikommend überschicke ich Ihnen noch eine kleine Schrift, bei deren Abfassung mir unter anderm auch die gedrückte Lage meiner Glaubensgenossen vorschwebte. Die Erfahrung hat gelehrt, daß jeder wahre politische Fortschritt auch uns der Erfüllung unserer Sehnsucht nach einer würdigem Stellung näher bringt. Möge auch diese Schrift dazu beitragen! Daß viele achtbare Bürger Königsbergs die: Vier Fragen etc. einer Petition zu Grunde gelegt haben, welche von der Stäadever- Sammlung bereits angenommen worden, wird Prof. Moser Ihnen wohl mittheilen; durch ihn werden Sie auch über die bisherige Wirksamkeit des Danziger Landtags manches Interessante erfahren. Ich will hier nur noch die Nachricht hinzufügen, daß die hiesige Stadtverordnetenversammlung ihren Deputierten den Auftrag gegeben hat, bei dem Landtage zu beantragen, daß »in Zukunft die Aus- Schließung der Juden von den Wahlen der Landtagsdeputierten aufgehoben werde.« Die wegen dieser Ausschli eJ3 u n g erfolgte Ablehnung des Stadtverordnetenamtes von Seiten des hiesigen Kaufmännes Hr. Wedell hat zu dem erwähnten Beschlüsse Anlaß gegeben