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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 5 · p. Seite 523

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 5
Article
Zum Andenken an Moritz Veit
Date
1908-01-01
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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Zum Andenken an Moritz Veit. 523 Sachs als einen Romantiker. Statt diese Anwendung eines literarischen Terminus anzunehmen, haben sich Sachs’׳ Parteigenossen sehr darüber erbost, dieselben Leute, die darin, daß man ihn ein »Rätsel« nannte, nichts Anstößiges1) fanden, — als wäre es ■nicht das Schlimmste einen, wie man meinen müßte zur Klarheit gelangten, in seiner Entwicklung abgeschlossenen Mann ein Rätsel zu nennen. Wenn man aber wirklich Sachs einen Romantiker zu nennen sich nicht entschließen kann, so paßt diese Benennung auf Veit durchaus. Zunächst kann man darauf hinweisen, daß er wirklich in seiner Jugend dem Kreise der Romantiker angehört: er bildete mit Stieglitz, Werder und anderen Zugehörigen jenes Kreises eine kleine nahe verwandte Gruppe. Aber besonders paßt diese Bezeichnung auf seine religiöse Richtung. Der Begriff Romantik läßt sich allerdings schwer mit ein paar Worten bestimmen; am einfachsten dürfte dafür die Formel sein: Gegensatz zwischen Lehre und Leben, Verklärung abgelebter Zustände, Vorherrschaft der Phantasie über den Verstand. Wie die deutschen Romantiker christlicher Religion einen gewissen Atheismus oder zum mindesten eine ziemlich starke Freigeisterei zu gleicher Zeit mit katholischen Neigungen in sich nährten, so verbanden und verbinden jüdische Romantiker Orthodoxie und Neologie zu einem seltsamen Bunde. Moritz Veit stand dürchaus im realen Leben und zimmerte sich doch eine Welt, die weit weg von der Wirklichkeit führte. Er hatte sich selbst von den Vorschriften des traditionellen Judentums befreit und wollte doch die von ihm geleitete Gemeinde, wenn überhaupt, so nur schrittweise einer Reform zuführen, die er für sich als eine naturgemäße und selbstverständliche längst vollzogen hatte. Halb verklungene Jugenderinnerungen und eine nicht ganz richtig J) Vgl. jedock die sehr energische Abwehr dieses Urteils in dieser Monatsschrift, yahrg. 1868, S. rgö f. David R o s i n war es, wie ich bezeugen kann, der dort das Wort ergriff. M. Brann.

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