Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 522 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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522 Zum Andenken au Moritz Veit. erzielen; eine Art zu reden, die den Verstand, die Phantasie, das Gemüt und die Willenskraft gleichzeitig packt, stammt aus den Quellen des heiligen Geistes und heiligt die Geister.« Nicht minder schön bezeugte Sachs das Beharren in freundschaftlicher Ergebenheit und bezeichnete das Verhältnis zu Veit wie einen Lichtstreif, der sich über weites Dunkel hingezogen und es erhellt und freundlich beleuchtet habe. ln diesem idealen Freundschaftsbunde erscheint Veit geradezu ehrwürdig. In seiner kaufmännischen und politisehen Tätigkeit ist er ein nachahmenswertes Vorbild; seine Bemühungen für die Stellung der Juden in Berlin und Preußen sichern ihm dauernd ein dankbares Andenken. Etwas anders steht es mit seinem religiösen Standpunkt. Diese Zeitschrift ist eine wissenschaftliche und nicht dazu da, Parteifragen zu erörtern. Auch ich, obgleich ich meinen liberalen Standpunkt keineswegs verleugne, bin durchaus nicht gewillt, an diesem Ort meine Gesinnung zu verteidigen und auf Grund meiner Richtung andere zu kritisieren! Und doch muß bei einer auch noch so kurzen Charakteristik Veits; seine eigentümliche Stellung zum Judentüm beleuchtet werden: Moritz Lazarus hat in der Einleitung zu einer neuen Auflage der »Stimmen vom Euphrat und Jordan« das Doppelweseri, die Gegensätzlichkeit bei Sachs hervorgehoben: auf der einen Seite sein Festhalten am überlieferten Judentum, dessen Gebräuchen und Lehren, auf der anderen Seite sein vollkommen modernes Wesen, sein Aufgehen in deutsche Bildung und Kunst, seine Begeisterung für Wissenschaft, und zwar eine nicht durch bestimmte Grundsätze eingeengte Wissenschaft Und da Lazarus diesen Kontrast für unvereinbar hielt; begnügte er sich dämit, den von ihm Geschilderten, bei aller Lobpreisung, ein »Rätsel« zu nennen. Bei der Besprechung der neuen Ausgabe jener Sammlung griff Abraham G e i g e r diese Definition an und bezeichnete