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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 5 · p. Seite 521

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 5
Article
Zum Andenken an Moritz Veit
Date
1908-01-01
Page
Seite 521 (sequence 9)
Language
German
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Zum Andenken an Moritz Veit. 521 aber in kleineren und mittleren Gemeinden Preußens und Deutschlands das liberale Element auch in der ganzen Gemeinde zur Herrschaft gelangte, eine Herrschaft, die darin ihren Ausdruck fand, daß man freisinnige Rabbiner berief, die Institutionen in liberalem Sinne umgestaltete und die Verwaltung aus derartig denkenden Männern zusammensetzte, entwickelten sich die Verhältnisse in der Residenz anders. Hier blieb die Hauptgemeinde im wesentlichen der Orthodoxie treu, die Fortgeschrittenen bildeten eine Separatgemeinde für sich, die allem Zeremonial entsagte und aus ihrem Gottesdienst die hebräische Sprache fast völlig verbannte. Allmählieh gewann auch die freidenkende Richtung in Berlin immer mehr Anhänger. Diese Verwandlung bekundete sich bei den Repräsentantenwahlen am Ende des sechsten Jahrzehnts und in der Zusammensetzung des Vorstandes, der aus diesen Wahlen hervorging. Die von den Gemeindebehörden gefaßten Beschlüße, die Errichtung einer Orgel in der neu erbauten großen Synagoge und die Reform des Gottesdienstes fanden Sachs’ Billigung nicht, während Veit ihnen zustimmte. Solche tiefergreifende Differenzen waren indessen nicht fähig, den Freundschaftsbund beider Männer zu zerstören. Er endet keineswegs mit einem Mißklang, sondern in voller Harmonie. Im August 1861, da Veit mit Sachs eine Art silbernes Freundschaftsjubiläum feierte, konnte er ihm die schönen Worte schreiben: »ich darf mir das Zeugnis geben, daß ich in dem Keime die Frucht erkannt, daß mich seit unserer ersten Begegnung auf der Universität in Deiner Art, Welt und Menschen zu sehen, in dem Ausdruck Deiner Gedanken und Empfindungen — ich spreche es zum ersten Male aus — etwas von dem Geiste der Propheten angemutet hat. Und die Anziehungskraft, die Du seit jener Zeit ununterbrochen auf die verschiedenartigsten Menschen ausgeübt, hat mir, Gott sei Dank, Recht gegeben. Denn eine solche Wirksamkeit ist durch keine anders geartete Begabung zu

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