Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zum Andenken an Moritz Veit
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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520 Zum Andenken an Moritz Veit. wurde, aber auch separat gedruckt ist — arbeitete er unermüdet für die Emanzipation seiner Glaubensgenossen; ebenso wie durch Wort und Schrift wirkte er auf manche Unentschiedene durch die Reinheit seiner Persönlichkeit. Am; innigsten gestaltete sich Veits Verhältnis zu dem schon mehrfach erwähnten Michael Sachs. Als Veit Ältester der jüdischen Gemeinde wurde, war er schon von großem Eifer erfüllt, Sachs nach Berlin zu ziehen. Manches Jahr mußte indessen verstreichen, ehe dieser Plan zur Ausführung gelangen konnte. Der Gründe dazu waren mancherlei. Zunächst, daß die Stimmüng der ausschlaggebenden Berliner Kreise nicht leicht für Sachs zu gewinnen war, den man bisher wenig kannte;• sodann daß man von Berlin aus zunächst die Blicke auf Fr an ke 1 richtete, lange mit ihm verhandelte, bis seine Ansprüche, vor allem das Verlangen einer offiziellen Anerkennung seiner Stellung und Wirksamkeit durch die Regierung, seine. Übersiedlung nach Berlin unmöglich machten; ferner der Widerspruchj den Sachs selbst erhob, da er nicht als Rabbiner, sondern als Prediger berufen werden wollte, und endlich, nachdem die Sache mehrere Jahre gespielt hatte und Sachs nun durch manche Schriften einem größeren; Kreise bekannt geworden war, ein ziemlich־ starker Gegensatz gegen ihn, der sowohl in freisinnigen als;in ultraorthodoxen Kreisen sich bemerkbar machte und in^ manchem heftig zum Ausdruck kam. Schließlich, alleniings erst 1844, wurde Sachs berufen. Es ist bekannt ־־־<׳; und diese Tatsache konnte Veit mit großer Befriedigung erfüllen — in welcher Weise er dieHerzen der Hörer gewann und länger als ein Jahrzehnt wirklich der geistige Führer, :das geehrte Haupt der ganzen Gemeinde war. Freilich blieb dieser Einfluß im Laufe der Zeiten nicht in ungebrochener Stärke. Schon in den 40er Jahren, also zur Zeit von Sachs’ Berufung nach Berlin, war ein mächtiger liberaler Zug in Deutschland bemerkbar geworden. Er gewa.nn in Berlin Boden und immer größeren Umfang. Während