Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 507 (sequence 11)
- Language
- German
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Besprechung. 507 S. 6 beschreibt er, wie sich Jeremia ganz und gar als Prophet wußte, und fährt fort : schwere innere Kämpfe sind die unausbleiblichen Folgen, s. Jer. 20, 9. — Unsinn! Nicht die Folge seines prophetischen Bewußtseins, sondern der Anfeindungen von außen. Daß der Verfasser (S. 12 f.) die Erzählung von Elia am Horeb völlig mißversteht, insofern sie »uns ein »treues Bild« (?) von der Güte Gottes geben, wie sie in unserer Vorstellung leben soll« (man genieße nebenbei diese geschraubte und phrasenhafte Sprache) will ich ihm nicht zu schwer anrechnen, da es fast allgemein geschieht. Gott will den Elia nicht tadeln ob seines Eifers, sondern im Gegenteil loben und den gehetzten Mann durch frische Männer seines Eifers ablösen lassen. Der Sturm aber, das Erdbeben und das Feuer sind die Vorläufer der Gottesstimme (Schon Wellhausen hat hier das Richtige gesehen). Von Gottes Eifer und Strenge weiß unser moderner Verfasser überhaupt nichts. — Zu Gen. 1 sagt er (S. 17): so findet die jüdische Lehre von dem Wesen Gottes in der biblischen Schöpfungsgeschichte ihren schönsten (!) Ausdruck: »Gott ist der Heilige«. Aber in Gen. 1 kommt nicht ein einziges Mal das Wort Heilig vor. Ebenso wenig in den zehn Geboten, die er alle aus dem Begriff der göttlichen Heiligkeit ableiten will. — Ganz falsch ist 5 M. 34, 1, »Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem Gotte« verstanden (S. 18). Damit soll der Mensch zum Kind Gottes erhoben sein »das durch seine sittliche׳ Kraft dem göttlichen Vater nahe steht«. Man sehe den Zusammenhang. Und ein unlogischer Sprung ist es, wenn er fortfährt: »Und wie Kinder ihren Willen dem Willen des Vaters unterordnen, so müssen auch wir unsern Willen dem göttlichen Willen dienstbar machen«. — 5. M. 30, 11—14 leitet er (S. 19) ein: Mose kennzeichnet damit die Bedeutung des göttlichen Wortes für die Be- Stimmung des Menschen! Und er schließt: ״in diesem mosaischen (nicht D?) Ausspruch ist uns der Weg gezeigt, der zum Ziele führt«. »Das Streben nach sittlicher Vervollkommnung muß sich in Taten äußern.« Das sei auch der Sinn des Gebotes: »Du sollst den Ewigen, deinen Gott lieben usw. (5 M. 65). Versuche er doch zu begreifen, wozu freilich nach seinem ganzen Buche wenig Aussicht ist, daß die Religion nicht mit Taten, mit Nächstenliebe und bürgerlicher Moral erschöpft ist, daß es noch etwas anderes gibt, nämlich eben die Liebe zu Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und aller Kraft. Vielleicht gelingt es ihm, sich den wahren Sinn dieses Wortes an unseren zahllosen Märtyrern von R. Akiba an, der den besten Kommentar dazu gegeben hat, klar zu machen. ־־־ Lev. c. 19 enthält nach dem Verf. S. 20 ff. die aus der Erkenntnis des heiligen Gottes fließenden Pfiichten gegen die Gesamtheit; eine gedankenlose Redensart Nicht eine einzige Pflicht gegen die »Gesamtheit« ist darin genannt; er meint natürlich »gegen den andern«. Und warum laßt er dan