Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 503 (sequence 7)
- Language
- German
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Besprechung. 50$ wachsenen Menschen das gegenständlich Göttliche, dem er entfremdet ist, an dem parallelen psychologischen Vorgang nahezubringen sucht,, wer aber dasselbe ganz unnötiger Weise an Kindern probiert, vielleicht aus einem gewissen »Wahrheits«-Fanatismus«, der zeigt, daß« er nicht den mindesten pädagogischen Sinn hat und zum Lehrer verdorben ist. Denn was u. a. den Lehrer macht, ist die Fähigkeit, sich dem Fassungsvermögen des zu Belehrenden anzubequemen. Diese Fähigkeit fehlt Herrn C. anscheinend gänzlich. Die Jugend (und das Volk) verlangen gerade nach Konkretem, nach Anschauung, und eben darum ist die Darstellungsform der Bibel die pädagogisch einzig zutreffende, ja dieses pädagogische Interesse erklärt mit ihre Entstehung.. Wie mächtig muß es z. B. auf ein Kindergemüt wirken, wenn Gott: dem Kain zuruft: Warum verdrießt es dich und ist dein Haupt ge״ senkt? Wenn du gut bist, kannst du dein Antlitz erheben usw. Bei dem Herrn Verfasser unseres Lehrbuches für Kinder, vernimmt Kain in seinem Innern eine Stimme! Man darf sogar sagen, daß, wenn die Bibel etwa in der Sprache des Herrn C o blenz geredet hätte,, es umgehehrt die Aufgabe eines richtigen Lehrers wäre, sie in die jetzige zu übersetzen, also psychologische Vorgänge als äußere Geschehnisse darzustellen oder doch sie mit solchen zu vergleichen und dadurch deutlich zu machen. Das eben bedeutet: veran s c h a u 1 ic h e n. Ich habe schon oben ein Beispiel angeführt, wie wenig der Verfasser einen Begriff davon hat, was anschaulich ist. Anstatt für die Verdeutlichung der prophetischen Berufung etwa die greifbar deutliche und doch so erhaben-feierliche und tiefsinnige Schilderung. Jes. c. 6 anzuführen, nennt er Jer. I4. Oder S. 6: Vielleicht treffen wir das Wesen der Offenbarung am besten, wenn wir sie mit den inneren Erlebnissen der großen Denker und Dichter vergleichen. — Nun wissen es die Sextaner gewiß ganz genau. Eine prophetische Religion —* um darauf zurückzukommen — kann das Judentum nur in dem Sinne genannt werden, als Mose und die Propheten seine ersten Lehrer gewesen sind, und insofern jener das Fundament gelegt hat. Das Judentum ist das Resultat einer mehrtausendjährigen Entwicklung, in der die Propheten nur ein Glied sind. Es hat u. a. auch einen gewissen Talmud gegeben, von dem der Ver- .fasser nur die Sprüche der Väter, die er einige Male zitiert, zu kennen scheint, es hat ferner einen gewissen Maimonides und manche andere für die Umbildung unserer Religion doch wohl nicht ganz bedeutungslose Denker und Lehrer gegeben. Freilich kann ein elementares Lehrbuch nicht alle Stufen darstellen, aber es darf sich auch nicht auf eine bestimmte in der Mitte festlegen. Das ist ja gerade das Zeichen einer Orthodoxie, zu der demnach gerechnet zu werden der Verfasser