Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechung. 501 er entweder gar keinen oder einen gründlich irreführenden Sinn. Denn zuerst setzt er auseinander: als die Verkünder der Lehren und Wahrheiten des Judentums gelten uns (was soll diese Phrase? sind sie es, oder sind sie es nicht?) die Propheten, und schließt: »das Judentum ist mithin eine prophetische Religion, denn Propheten sind die Schöpfer und Träger seiner höchsten Ideen«. Das ist ungefähr dasselbe, als wenn er definiert hätte: »das Judentum ist eine Religion, die von ihren Gründern gegründet worden ist«. Jedoch im folgenden will er uns belehren, was für Männer die Propheten waren, und daß ihre Religion die unsrige sein müsse. Dabei zeigt er zunächst eine völlige Unwissenheit über das Wesen der Propheten, deren Schriften er nicht einmal vollständig zu kennen scheint. Die Propheten seien keine Vorheisager zukünftiger Ereignisse gewesen. Schon das ist gröblich falsch. Zahllos sind die Aussprüche, in denen sie Künftiges Vorhersagen. Noch verkehrter ist es hierbei 5. M. 13, 2—5 anzuführen, weil »durch diese Stelle die Auffassung, als ob nach den Worten der Bibel die Propheten hauptsächli ch (mit einem Male wieder eine Einschränkung!) Wahrsager gewesen seien, widerlegt« werde. Die Stelle ist nur ein Beweis dafür, daß vorhergesagte und eintreffende Ereignisse noch nicht die Wahrheit einer prophetischen Sendung beweisen. Wenn der Prophet zugleich Abfall von Gott predigt, so ist er trotz des Eintreffens seiner Vorhersagungen ein falscher Prophet. Doch hören wir den Verfasser weiter! Mit gesperrtem Druck (durch den er nebenbei fast das halbe Buch ausgezeichnet) offenbart er: »Entscheidend für die Anerkennung des Propheten ist einzig und allein (!) der sittliche Charakter seiner Persönlichkeit, der sich in seinen Worten und Handlungen kundgeben muß«. Als Prophet des Ewigen wurde nur anerkannt, wer im Namen Gottes die reinste Sittlichkeit lehrte und sie auch von den Menschen forderte. — Nun fehlt es in der Bibel keineswegs an Stellen, wo die Anerkennung eines Propheten in Frage steht. Ich wähle den Propheten Jeremia, der nach Coblenz »als der größte Prophet nach Mose bezeichnet wird« (von wem? von der Bibel? oder etwa weil er von den Herren Corn 111 und Lazarus protegiert wird? Zu Grunde liegt diesem schiefen Urteil der Umstand, daß uns Jeremia am häufigsten einen Blick in sein Inneres ge־■ währt und wir am meisten von seinen Schicksalen erfahren). So soll Jeremia c. 26 getötet werden, weil er fälschlich im Namen Gottes den Untergang Jerusalems und des Tempels weissage. Ein heftiger Streit erhebt sich für und wider den Propheten. Aber weder er selbst noch seine Verteidiger, noch seine Angreifer berufen sich mit einer Silbe auf seine oder seiner Vorgänger sittliche oder unsittliche Qualitäten als Erweis oder Widerlegung prophetischer Sendung. Oder c. 28 tritt