Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 4)
- Language
- German
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500 Besprechung־ Menschen sind nicht heilig, weil ihre wandelbare veränderliche Natur sie nicht vollkommen sein läßt. Heilig ist nur der ewige Gott. Und seine Heiligkeit hat auch seine Einheit zur Voraussetzung. Denn Heiligkeit ist etwas Ungeteiltes, Wir verstehen darunter die Summe aller sittlichen Eigenschaften in ihrer höchsten Vollendung. Nur das Wesen kann sie besitzen, das wir als ewige Einheit verehren... usw. usw.« Ich würde es für eine besonders grausame Strafarbeit halten, wenn man einem Sextaner oder Quartaner aufgäbe, diese Sätze auch nur zu lesen, geschweige denn zu lernen. Es ist merkwürdig, daß dem Verfasser jedes Gefühl dafür abzugehen scheint. Da ist mir denn doch noch die steifleinene Manier der alten Religionsbücher lieber, wenn die z. B. sagen: Gott ist einzig, 's.,., Gott ist ewig, s..., Gott ist allm ächt ig, s ... Vergeblich sucht der Verfasser die über der tätlichen Langeweile dieser Nachmittagspredigten einschlafenden Zuhörer oder Leser durch allerlei pathetische Ausrufungen aufzurütteln. Besonders fühlt er sich verpflichtet, biblische Zitate mit irgend einem rühmenden Beiwort einzuführen, womöglich im Superlativ, auch wenn er gar nicht angebracht ist. (S. 5): Am anschaulichsten wird uns diese hohe Auffassung des prophetischen Berufes von Jeremia geschildert: »Das Wort des Herrn erging an mich wie folgt: Bevor ich dich bildete, habe ich dich erkannt; bevor du geboren warst, habe ich dich geweiht; zum Propheten der Völker habe ich dich bestimmt«. Zufällig ist grade diese Stelle besonders unanschaulich. —- Wie schön! — Wie anmutig! Wie lieblich! — Wie poetisch schwungvoll! — Jener unvergleichlich schöne Satz! —־ Ein herrliches Zeugnis! — Das glänzendste Zeugnis! — Welche Töne sittlicher Entrüstung! ־־־ Eine vollendete Dar- Stellung! — Ergreifende Anschaulichkeit! — Seinen gewaltigsten Ausdruck findet... Am reinsten spiegelt sich der Gedanke. — Und dann das Verhältnis zwischen Gatte und Gattin! — Man braucht nur zu denken an... Es sei hier nur erinnert usw. usw. Aber alles dies wird durch die Mißgriffe übertroffen, die der Verfasser begangen hat, wo sich sein pädagogisches Ungeschick mit seiner theologisch-wissenschaftlichen Unzulänglichkeit paarte. Da muß man denn nun sagen, daß der Verfasser schon durch den allerersten Satz sein ganzes Werk verpfuscht hat. Die erste Betrachtung ist nämlich überschrieben : Die jüdische Religion '־— eine prophetische Religion, und danach wird nun durchgehends das Judentum dargestellt. In der neueren alttestamentlichen Wissenschaft bedeutet der Ausdruck »prophetische Religion * die Religion, die die Propheten gehabt haben, und die der »mosaischen« Thora vorangegangen sein soll. Wie aber der Verfasser ihn anwendet, hat