Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 498 (sequence 2)
- Language
- German
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498 Besprechung. Kenntnisse dazu, noch ist er logisch einigermaßen geschult. Er hat weder vom Theologen noch vom Pädagogen eine Ader und gar keinen Begriff davon, wie man zur Jugend sprechen muß, was man zur Geniige erkennen wird, wenn man sich bei den folgenden Proben stets gegenwärtig hält, daß das Buch nach der Vorrede für die Oberklassen der Volks- und Religionsschulen und für die Unter- (?) und Mittelklassen der höheren Lehranstalten (also auch für Sextaner oder doch mindestens für Quartaner) bestimmt ist. Ein Schulbuch muß jeder Phrase abhold sein und in jedem Satz der nüchternsten Kritik standhalten, aber in diesem Buche feiern die gedankenlose Phrase und das falsch verstandene Schlagwort wahre Orgien. Ein Schulbuch soll knapp und klar sagen: Was und Warum. Dieses »Lehrbuch« aber bewegt sich in beständiger Verschwommenheit und ist voll von den plattesten Tiraden. Es ist überhaupt kein Lehrbuch sondern eine Sammlung von recht mittelmäßigen Predigten. Es gibt nämlich nicht, wie bisher allgemein üblich, in bündigen Sätzen die religiösen Lehren und Gebote und, davon äußerlieh unterschieden, die Beweise und Belege dazu aus den Quellen- Schriften, sondern, und darin soll u. a. die umwälzende formale Neuerung bestehen, der Verfasser verbreitet sich in zwölf zwanglosen Betrachtungen über verschiedene Themata wie: die Lehre von Gott, die Bestimmmung des Menschen, die zehn Gebote, Sünde und Buße usw. Es ist also kein Lehrbuch sondern ein Erbauungsbuch, das aber, von allem andern abgesehen, schon wegen seiner abstrakten Sprache für die Jugend unverständlich und wegen seines beständigen wässrigen Moralisierens von tötlicher Langweile ist, so z. B. S. 44 f. wo es noch viele Seiten in demselben ermüdenden Tone weitergehen könnte, S, 80 ff, was direkt einer Kriegervereins-Festrede entnommen sein könnte u. ö. Ein dem Verfasser besonders liebes Schlagwort, das er aber falsch anwendet, ist z. B. das Modewort »Weltanschauung«. So sagt er S. 2: Die prophetische Weltanschauung werde »kurz und erschöpfend« von Micha 6, 8 in die Worte zusammengefaßt: »was fordert der Ewige von dir, außer Recht zu tun, Liebe zu üben und demütig zu wandeln vor deinem Gotte?« Eine Weltanschauung ist z. B. das Kopernikanische System oder die Philosophie Spinozas. Das Wort Michas gibt höchstens eine Lebensauffassung, aber keine Weltanschauung, geschweige denn eine »erschöpfende«. Aber der Verfasser liebt solche Häufung von Beiworten, ob sie nun passen oder nicht, wenn sie nur klingen : z. B. »stille, ernste Arbeit«, »nicht besser und klarer (!)«, »anschaulich und lebendig«. Seine Vorliebe für die Phrase reißt ihn oft zu Sätzen hin, die geradezu ko-