Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 497 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechung. Coblenz F., Jüdische Religion. Ein Lehrbuch. Leipzig, Quelle und Meyer, 1908. IV. u. 127 S. 8°. Das Einfachste und scheinbar Leichteste ist gar oft das Schwerste. So scheint nichts einfacher und leichter zu seih als die Abfassung eines Religionsbuches für den elementaren Jugendunterricht, das auf der Stufenleiter theologischer Forschung und Gelehrsamkeit die letzte Stelle einnimmt. Wenn es aber nicht lediglich die längst feststehenden und oft durchgearbeiteten traditionellen (orthodoxen) Lehren und Gebote wiedergeben will, dann erfordert es mehr als eine hervorragende Eigenschaft. Da es eine moderne jüdische Theologie, aus deren grundlegenden Arbeiten der Verfasser schöpfen könnte, noch kaum gibt, so muß er selber ein Gelehrter und selbständiger, wissenschaftlicher Theologe und überdies ein Pädagoge von hervorragendem Geschick sein. Ich bedauere, einem soeben erschienenen Lehrbuch, dem obengenannten Werkchen, diese Qualitäten nicht nachrühmen zu können. Der Verfasser will den jüdischen Religionsunterricht nicht nur formal umgestalten, sondern auch mit der modernen Weltanschauung und der liberalen Auffassung des Judentums in Einklang bringen. Ich habe nun nicht die Absicht, das Büchlein vom Standpunkt einer entgegengesetzten oder auch nur abweichenden religiösen Überzeugung anzugreifen. Der Freisinn ist in Politik und Religion eine durch individuelle Geistesrichtung wie durch wissenschaf(liehe, geschichtliche und philosophische Erkenntnisse und Überzeugungen wohlbegründete und berechtigte Auffassung, auf Grund deren er mit Fug und Bedacht Reaktion und Orthodoxie ablehnt. Vielmehr soll das Werkchen hier nur nach seinem wissenschaftlichen und pädagogischen Wert beurteilt werden. Nach diesen Gesichtspunkten muß leider konstatiert werden, daß der Versuch, den Unterricht in der jüdischen Religion zu reformieren, gänzlich mißlungen ist. Der Verfasser besitzt weder die Monatsschrift. 52. Jahrgang. 32