Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 442 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829816-2888515--36347-2888586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
442 Die talmudische Literatur der letzten Jahre. Tieres in diesem keine Galle gefunden wird, so ist das Tier, wenn die Galle von Geburt an gefehlt hat, zum Genüsse verboten. Es gibt aber eine Möglichkeit, dieses Tier für den Genuß zu retten, indem nämlich die Leber mit der Zunge berührt wird; spürt man einen bitteren Geschmack, so beweist dies, daß die Galle von Geburt an vorhanden gewesen ist und nur später von der Leber absorbiert wurde. Die Quelle für diese unter dem Namen טעימת הכבד bekannte Feststellungsprobe bei fehlender Galle sind die Halachoth Gedoloth1), manche Autoren nennen auch bloß jüngere Quellen, es gibt aber keinen einzigen unter den Dezisoren, der טעימת הכבד auf den Jeruschalm i zurückführt, ln Friedländers Text, 25 a, wird aber erzählt, daß R. Jochanan in eigener Person diese Kostprobe durchgeführt habe. Friedländer bemerkt dazu, daß die »Rischonim« gewiß den Jeruschalmi vergessen haben! Der R-Rezensent2) gibt an, daß Maimonides das Mittel von טעימת הכבד mit den Worten ואין אלו אלא דברי נביאות ablehnt. Würde diese Angabe stimmen, so wäre diese Bemerkung Maimonides, ein Beweis, daß טעימת הכבד im Jeruschalmi zu Koäaschim nicht gestanden hat, umsomehr als die Friedländersche Handschrift aus der Zeit Maimonides5 und aus Spanien stammen soll. Aber die Angabe des R־Rezensenten scheint auf einem Irrtum zu beruhen, da Maimonides, שחיטה VI, 20 טעימת הכבד überhaupt nicht kennt3 *). Auch der Ausdruck מומר in Friedländers Text ף Ed, Berlin, s. 524: ניטלה המרה לגמרי ד״ווהעובדא וקרעוה לכבדא ואישתכח דבליע^ בגוד. ואבשרוד.. So auch ed. Warschau, 128 d. 8) »Israelit« 1907, Nr. 29, S. 10. 3) Vielleicht meint R. den Nachmanides, der zu Chullin 56b wirklich die angeführte Bemerkung macht. — Wenn Fr. sagt, daß die »Rischonim« den Jeruschalmi vergessen haben, so ist es sehr klug, zu verschweigen, daß zu diesen vergeßlichen Rischonim auch der Ver־ fasser der Hai. Ged, gehört, der eine ע וברא anführt, ohne R. Jochanan als מריה דעובדא zu nennen, was beweist, daß er diese עובדא nicht aus Jeruschalmi Kodaschim gekannt haben kann. Diese Stelle hat der Kompilator eben einfach aus Hai. Ged. aufgenommen.