Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 436 (sequence 2)
- Language
- German
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436 Die talmudische Literatur der letzten Jahre. Josua gerichtet ist, nimmt Bezug auf die Nachricht des ersten Briefes, mit dem Ausdruck der Freude über den wichtigen Fund und mit dem Rate, die Drucklegung der Handschrift auf ruhigere Zeiten zu verschieben. Hocherfreut über die Entdeckung von dem einstigen Vorhandensein des Jeruschalmi zu Kodaschim, wie er sie in diesen Briefen fand, schickte Friedländer die Briefe seinem Bruder zurück, mit der Aufforderung, die in den Briefen erwähnte Handschrift bei den in der europäischen Türkei lebenden Nachkommen Josua Benvenistis ausfindig zu machen. Nach langem Suchen und Forschen gelang es endlich Elia Algasi in Verbindung mit einem; gewissen Jakob Kobi (יעקב קובי) die Handschrift zu entdecken. In eineriOrt schaft auf dem Wege zwischen Konstantinopel und Adrianopel, im Hauseeines reichen Mannes, namensSulimanBenvenisti, fanden sie den lange gesuchten Schatz. Die Handschrift, auf Pergament geschrieben und mit Gold verziert, war dem: reichen, unwissenden Suliman Benvenisti nicht bloß als kostbares Erbstück teuer, sondern sie diente ihm auch als Am ulet. Suliman war daher zum Verkauf der Handschrift nicht zu bewegen. Mit schwerer Mühe und Anwendung von List gelang es aber Elia Algasi, die Handschrift leihweise für ein halbes Jahr zu bekommen und sie seinem Bruder nach Ungarn zu schicken. Die Handschrift erhielt Friedländer im Dezember 1902. Da sie fast ganz unleserlich war, konnte er während der sechs Monate nicht mehr als den Traktat Chullin bis zur Hälfte des achten Abschnittes kopieren. Es gelang aber mit schwerer Mühe und schweren Geldopfern, Suliman zur Verlängerung der Leihfrist auf weitere sechs Monate zu bewegen. Mit Hälfe eines von ihm erfundenen stenographischen Systems konnte nun Friedländer bis zum Rückerstattungstermin den Rest der Handschrift, »in dem — besonders im Traktate Sebachim — kaum die Zeichen der Buchstaben zu erkennen waren«, kopieren. Er habe aber im Laufe der zeit die Be-