Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 422 (sequence 38)
- Language
- German
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422 Michael Sachs. 8. Von der Darstellung der religiösen Poesie der spanisehen Juden wandte sich Sachs zur Übersetzung und Bearbeitung der Festgebete der deutschen Juden, zu der des Machsor nach deutschem und polnischem Ritus. In diesen Sammlungen sind hauptsächlich die Schöpfungen eines der ältesten liturgischen Dichter, des Eieasar Kalir, vertreten und diejenigen jüdischer Dichter Frankreichs und Deutschlands, denen er zum Muster und Vorbild gedient hatte. Sie sind nach Form und Inhalt sehr verschieden von denen der spanischen Dichter, weniger freie Schöpfungen des eigenen Geistes wie diese, als vielmehr die poetische, oft auch nur die versifizierte Verarbeitung der Haggada, d0r religiösen Gedanken und Anschauungen, der Lehren und Überlieferungen, welche im Talmud und Midrasch über die Festtage und die bedeutsamsten Momente des religiösen Lebens niedergelegt worden sind. Auch sprachlich fehlt ihnen die Klarheit und Durchsichtigkeit, der leichte Rhytmus und die künstlerische Gestalt, die jene auszeichnen. Sie folgen ihren eigenen sprachlichen Regeln, die von denen der spanischen Grammatiker abweichen. »Kalir«, sagt Zunz1), »tyrannisiert den Hebraismus, zwingt ihm willkürliche Bildungen auf, aber mit einer Übermacht und mit so hinströmender Fülle, daß man bei der Hoheit des Gedankens die Unebenheiten des Vortrages übersieht, zumal wenn des Peitan religiöse Glut den Kunstrichter erwärmt«. Diese religiöse Glut, die Tiefe der Empfindung und die Kraft der Phantasie, die auch Luzzatto an den Piutim des deutschen Machsor rühmt2), sie haben auch Sachs ergriffen. Die Rauhheit ihrer Form trat für ihn zurück vor der Bedeutsamkeit des Inhaltes, vor der innigen Gläubigkeit, der tiefen Demut, dem festen Gottvertrauen, die in ihnen 1) Gottesdienst-Vorträge? S. 397. 2) S. seine hebräischen Briefe, hrsgegeb. v. Eisig Graeber, I, S. 336 b ff,