Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 36)
- Language
- German
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420 Michael Sachs. Das am meisten charakteristiche Produkt des durch die griechische Philosophie beeinflußten religiösen Bewußtseins jener Zeit ist »die Königskröne« des Dichters und Philosophen Salomo Ibn Gabirol, von dessen reichem Inhalte (in 846 Versen) Sachs neben seiner vortrefflichen Übersetzung eine klare Übersicht gibt1). »Alles was der Dichter wußte, was sein eigenes Denken ihn gelehrt, seine Glaubensbücher ihm überliefert, was er von der Wissenschaft und Weisheit seiner zeit erfahren, — das flocht er zum Ehrenkranze für seinen Gott. Seine Schilderung des Universums ist geradezu eine poetische Umschreibung des aristotelischen Buches »von der Welt«. In Bildern, die Plato und Aristoteles ebenso, wie der Bibel und der nachbiblischen jüdischen Literatur entlehnt sind, schildert er die Erde, die Sternensphären, die Engel- und die Geisterwelt, den Menschen in seiner Größe, wie in seiner Sinnlichkeit und Sündigkeit, um sodann in einen Hymnus auf Gott und dessen Güte auszuklingen. Die ganze Weltanschauung des spanischen jüdischen Mittelalters tritt uns in diesem großen Gedichte entgegen, zu dem Sachs sodann noch interessante Parallelen aus Dantes Beschreibung vom Himmel anführt. In ähnlicher Weise werden auch die übrigen Gedichte analysiert und erklärt, die einzelnen Dichter nach ihren verschiedenen Anlagen charakterisiert und ihre Schicksale uns vorgeführt. Es ist eine große Mannichfaltigkeit von Individualitäten,, die wir kennen lernen, ein eifriges Streben nach Bildung und Wissen, eine rege Geistestätigkeit, heitere lebensfreudige Poesie, sowie ernste Forschung und helles Denken, die uns entgegentreten. »Philosophie und Dichtung^ Astronomie und Mathematik, Sprachkunde und Exegese, Naturwissenschaft und Medizin neben einer geistvollen und gründlichen Talmudgelehrsamkeit« sind die Felder, die in sorgsamer und gründlicher Pflege von ihnen bebaut werden2). 1) s. 224 ff ף s. 181 f,