Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Michael Sachs. 419 sonders des Aristoteles, auf die Juden ausübte, gehört zu den Glanzpunkten in dem Buche Sachsens1). Er findet sie nicht sowohl in dem Inhalte dieser Werke, in ihrem spekulativen Gehalte, oder in dem, was sie an *positivem Wissen mitteilten, wie vielmehr in dem »zum Gebrauche der eigenen Geisteskraft stachelnden Charakter der aristotelischen Schriften, in der Macht, mit der er die in seinen Kreis eingetretene Welt zwang, hergebrachter Vorstellungsweisen sich zu entäußern, mit den früher kaum nur geahnten Ansprüchen der logischen Gesetzmäßigkeit sich ab־r zufinden und, um den unschätzbaren Besitz geistiger Selbsttätigkeit bereichert, heimzugehen und die eigenen Fluren anzubauen.« *Die frische Aufgewecktheit, die Lust und Liebe, der unverwüstliche Ernst und die treue Hingebung, mit welcher das Philosophieren geübt; die Würde und Hoheit, die dem Denken, dem Erkennen beigelegt wird; die leidenschaftliche Begeisterung für das Wahre, nach dessen Besitze sie nun alle, die Welt vergessend, auf ihre Freuden verzichtend ihren Leiden unnahbar auszogen — diese ernsten jüdischen Weisen, sind hier als bedeutende Momente in die Wagschale zu legen« ... »Die aristotelische Philosophie wirkte wie ein erfrischender Morgenwind, die Schwüle und den Druck der Glaubensatmosphäre abkühlend, Dünste und Wolken verscheuchend, die den reinen Äther des geistigen Bewußtseins umzogen und verhüllt hatten. Andererseits tritt auch die Hoheit und Vernunftmäßigkeit des jüdischen Religionsprinzipes, seine gesunde Kräftigkeit hervor, das die Berührung mit der Philosophie nicht fliehen durfte, wie die bewegliche Raschheit des für jedes neue Wissenselement empfänglichen jüdischen Geistes, der sich bald in dieser aufgeschlossenen Welt von Gedanken und Denkformen heimisch machte.« 27* [) S. 184 ff.