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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 4 · p. Seite 398

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 4
Article
Michael Sachs
Date
1908-01-01
Page
Seite 398 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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398 Michael Sachs. Ideen, die Weite seines Blickes, die Größe der Anschauung, die Macht der Sprache. Und sie gaben seinen Worten ihre tiefe Wirkung auf die geistigen und auf die religiösen Empfindungen seiner Zuhörer. 4. Zut Entfaltung kam seine Beredsamkeit in Prag, wohin Sachs im Jahre 1836 als Prediger der Tempelgemeinde auf Empfehlung Zünzens, der vorher kurze Zeit dieses Amt bekleidet hatte, berufen wurde. Es war eine private Vereinigung, die sich zur Veranstaltung eines Gottesdienstes mit Chorgesang und Predigt gebildet hatte und eine moderne Richtung innerhalb der großen Prager Gemeinde repräsentierte. Dieser modernen Richtung, ihrem Verlangen nach religiöser Belehrung in einer ihrer geistigen Bildung entsprechenden Form, wußte er verständnisvoll entgegen zu kommen und zugleich seinen Predigten einen wahrhaft jüdischen, an die Lehren der heiligen Schrift, wie des Talmud anknüpfenden Inhalt zu geben. W i e er seine Aufgabe erfaßte, das hat er mit klaren Worten in seiner Abschiedsrede, die er beim Weggange von Prag hielt, dargelegt1): >Als mir vor acht Jahren gesagt ward, wir wollen in verstandlicher Rede Gottes Wort vernehmen, wir wollen an Sabbat und Fest gemahnt und belehrt sein über das, was es uns sein und bedeuten solle, so habe ich dieses euer Verlangen so verstanden : gehe hin, sei du uns ein Dolmetsch! Rede und lehre, wie du es erkannt und geschaut hast! Deute du uns, was uns nicht klar und verstandlieh; erinnere du uns an das, was wir so leicht vergessen; führe du uns vor in würdiger Gestalt, was wir so oft in entadelter, entwirrdigter zu sehen bekommen! Hilf du uns die Weihe und Wärme wieder zu gewinnen, die uns durch Vergeßlichkeit, oder Unkenntnis abhanden gekommen! — Das schien mir die einzig mögliche Bedeutung zu sein, die mit der Wiedereinführung der regelmäßigen gottesdienstliehen Vorträge sich verbinden ließ. Ich sah mich an ais den Verwalter und Wächter eures heiligen Schatzes, den ihr mir zur Hut und Verwahrung anvertraut; mir wars, als hättet ihr das Beste und Höchste, als hättet ihr euer kostbarstes Kleinod in meine Hand gelegt, als wolltet ihr davon nichts vergeudet und weggeworfen wissen, ג) Prag 1844, Predigten, B. II, S. 436 f.

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