Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
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396 Michael Sachs. erscheinen« lassen und hören, was sie uns in ihrer eigenen Gedanken- und Sprechweise zu sagen haben. In diesem Bemühen scheut er auch vor den ihm zu machenden Vorwürfen über »Steifheit, Ungelenkigkeit und Schwerfälligkeit« nicht zurück. Diese Vorwürfe sind auch mit Recht gegen seine Übersetzung erhoben worden. Aber anzuerkennen ist an ihr neben manchen treffenden Bemerkungen im Einzelnen die Selbständigkeit, mit der. der jugendliche Gelehrte an seine Aufgabe herantrat, die Strenge der Forderungen, die er dabei selbst an sich stellte und die Kühnheit, mit der er den seitherigen Lösungen gegenüber seine oft sehr gewagten bot1). Einige Jahre später beteiligte sich Sachs an der unter der Redaktion Zunzens erscheinenden Übersetzung der heil i g e n S c h r i f t und übersetzte von ihr fünfzehn Bücher. Für sie arbeitete er seine Übersetzung der Psalmen nochmals um. Und in seinem Nachlasse fand sich eine dritte Bearbeitung einer Anzahl von Psalmen vor. Es ist das bezeichnend für seine eigene ernste und unablässige Prüfung seiner Leistungen, es ist weiter ein Zeugnis für sein Verhältnis zur heiligen Schrift. Er hat mit ihrem Studium niemals abgeschlossen, sie beschäftigte seine Gedanken von der Jugend bis in’s Alter. Ihre e i n z el n e n Sätze waren ihm Aufgaben, die er immer von neuem zu verstehen, und die er von den verschiedensten Seiten zu erfassen suchte. Mit stets frischem Durste trank er, um ein Bild unserer Weisen zu gebrauchen, ihre Worte, darum drangen sie ihm auch in Kopf und Herz und erfüllten ihn mit ihrem Geiste. Sie gaben insbesondere seinen Predigten ihre nachhaltige Wirkung und wurden ihm zu einem sprudelnden 1Quell heiliger und erhebender Gedanken. Wir sehen in *) Vgl. Zunzens Rezension in Geigers Wissensch. Zeitschrift B. II, 499—504־ und in seinen gesamm. Schriften B. III, S. 116 ff.