Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Michael Sachs. 3S7 Kampf und Widerstreit blieben ihm nicht erspart, und auch Feinde und Gegner sind in nicht geringer Zahl ihm erwachsen. Doch auch sie haben sein Bild nicht verdunkeln können. Und wie ein Schlußurteil über sein Wesen, sein Wollen ürtä Tun können wir die Worte anführen, die etwa zwei Jahre vor seinem Tode Moritz Veit an ihn schrieb: »Ich darf mir das Zeugnis geben, daß ich in dem Keime die Frücht erkannt, daß mich seit unserer ersten Begegnuhg auf der Universität in Deiner Art, Welt und Menschen zu sehen, iti dem Ausdrücke Deiner Gedanken und Ernpfihäungen — ich spreche es zum ersten Male aus — etwas von dem Geiste der Propheten angemutet hat. Und die Anziehungskraft, die Du seit jener Zeit ununterbrochen auf die verschiedenartigsten Menschen ausgeübt, hat mir, Gott sei Dank, Recht gegeben. Denn eine solche Wirksamkeit ist durch keine anders geartete Begabung zu erzielen; eine Art zu reden, die den Verstand, die Phantasie, das Gemüt und die Willenskraft gleichzeitig packt, stammt aus den Quellen des heiligen Geistes und heiligt die־ Geister.« Es ist allerdings die Stimme eines Freundes, die also spricht, aber eines Freundes, dessen Wesen strenge Wahrhaftigkeit war, eines Mannes, der zu einem Urteil aus seiner eigenen Bedeutung heraus, aus der Größe seines Geistes, wie seiner Bildung, aus seiner langjährigen Stellung ah der Spitze der jüdischen Gemeinde Berlin, wie aus seinem vertrauten Umgänge mit Sachs, wie wenige, berufen war. Und die angeführten Worte sind einem Briefe entnommen, den Veit an Sachs schrieb, als ihre Freundschaft ungefähr ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum feiern konnte. ln ununterbrochener Dauer und Innigkeif hat diese Freundschaft zwei Männer mit einander vereinigt, die verschiedenärtigen Berufs- und Lebenskreisen angehörten und nicht minder in ihren religiösen Anschauungen und Riehtungen von einander abwichen. Aber durch die hohe Achtung, die sie einander zollen mußten, durch die ideale 25*