Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechung. 375 weg und ließ das Blut des Bockes da und sprengte davon (!) etwas an den Vorhang . . * Dann nahm er das Blut des Bo ck es und ließ da das Blut des Farren und sprengte etwas davon (!) an den Vorhang.? — Das ist wohl wörtlich übersetzt, aber sachlich unmöglich. Von dem Blut, welches auf dem Gestell im Hechal gelassen wurde, konnte nicht an den Vor hang gesprengt werden. Es mußte aber auch bei sämtlichen Sprengungen zuerst vom Blut des Farren und dann von dem des Bockes gesprengt werden1). ממנו darf daher in dieser Stelle nicht mit »davon«, sondern mit »von jenem« übersetzt werden. Die buchstäblichen Übersetzungen sind nicht immer nie richtigen. So ist auch die Übersetzung von הקדים רם השעיר לדם הפי in V, 7 durch »hat er das Blut des Bockes vor das Blut des Farren gestellt« eine sinnlose. Es muß heißen »gesprengt«. S. 20. Es ist durchaus nicht sicher, daß unter השני in VI, 1 der >von dem er sten Paare überlebende Bock« zu verstehen ist. Schon die ältesten Amoräer, Rab und R. Joehanan, sind darüber uneinig1). Rezipiert wurde die Ansicht Rabs, daß gemeint ist der zweite des zweiten Paares. S. 22. VI, 3 wird in bezug auf den Sündenbock gesagt: alle (d. h. auch Nichtpriester) waren fähig, den Sündenbock in die Wüste zu führen, nur haben die Hohenpriester den Brauch eingeführt, einen Nichtpriester dazu nicht zuzulassen, wogegen R. Jose erzählt, daß trotzdem einmal ein Nichtpriester namens Arsela, den Bock g efü hrt habe. Für Fiebig ist aber die buchstäbliche Übersetzung Verhängnisvoll geworden, denn er übersetzt: »Alle sind geeignet, ihn hinauszuführen, es müßte denn sein(!), daß die Hohenpriester eine Bestimmung getroffen haben, und sie einen Israeliten ihn nicht hinausführen lassen, (sondern einen Nichtisraeliten dazu nehmen). Es sagte Rabbi Jose: es kam einmal (= ma’aseh, d. h. eine Tatsache, etwas, was tatsächlich passiert ist) vor, daß ihn ,Arsel’a aus Sepphoris hinausführte, und der war ein Israelit«! In vollem Ernst vorraussetzen, daß im jerusalemischen Tempel ein Nichtjude, und zwar nur ein solcher, zu einer kultischen Handlung, und zwar einer jährlich wiederkehrenden und von solcher Bedeutung wie die des Wegschickens des Asaselbockes, zugelassen wurde, verrät eine so gründliche Unkenntnis in allem, was nur irgendwie auf das Judentum Bezug hat, wie sie bis jetzt noch von keinem Dilettanten in judaicis erreicht wurde. Ähnlich wäre 2u dieser Voraussetzung, wenn jemand ganz naiv behaupten würde, in der katholischen Kirche dürfe die Kommunion nur von einem schiitisehen Mohammedaner erteilt werden. ג) Babli 64 a, Jerusch. 43 c.