Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 27)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 283 Figuren erscheinen. Solche Figuren erblicken wir, um nur einige Beispiele anzuführen, in den Erzählungen Bernsteins. In einem Ghetto ist am Sabbat der Eruw zerrissen, das ist der Draht, der die ganze Judenstadt umspannt und sie zu einem in sich abgeschlossenen, eigenen Raume macht. Die Weisen der Gasse disputieren mit einer Dialektik, die einem Philosophen alle Ehre machen würde, wie man dieser Kalamität steuern könne, um zu Mittag die Sabbatspeise holen zu können. Entsetzlich, ganz entsetzlich! (Vögele der Maggid.) In einem andern Ghetto hat sich noch Schrecklicheres zugetragen. Ein Bewohner hat sich ent־ schlossen, dem Schacher zu entsagen und im nächsten Dorfe ein Bauer zu werden. So wasl Unerhört! Das ganze Ghetto ist im Aufruhr. (Mendel Gibbor.) Die Scheu der Leute des Ghetto von dem Ackerbau und dem Handwerk geißelt Leopold Kompert in humorvoller Weise. (»Am Pfluge« und »Die Prinzessin«). Das ganze Ghetto, so erzählt er, war aus Rand und Band, als ein jüdischer Jüngling Schlosser wurde und als solcher einen Blitzableiter auf der Synagoge anbrachte. Schickt sich das für ein jüdisch Kind? Es ging dennoch. Die Kompertsche Muse hat zwei drollige Gestalten geschaffen, den Lehrer Arnstein, der die Jugend in die Geheimnisse der Partizipfalkonstruktion einweiht und »Feiweiden Buchhalter«, den Politiker der Judengasse, der die Geschichte Napilions erzählt, den er, obwohl er 50 Jahre nach ihm gelebt hat, beinahe in Schönbrunn gesehen hätte. Die Erzählungen von Bernstein und Kompert sind zum Teil Romane, in denen die Liebe die treibende Macht ist, welche goldene Fäden spinnt, die auch im Ghetto sich von den Herzen zu den Herzen wie die Metalldrähte des Eruw von den Häusern zu den Häusern ziehen. Die Liebe machte die Prinzessin des Ghetto zur guten Bäuerin, die in der Sorge um den Hühnerstall Machats französische Grammatik vergaß, in der sie von ihrem Lehrer Arnstein