Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 26)
- Language
- German
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282 Die Satire: in der jüdischen Literatur. Gehüllt in deinen Gebetmantel, Besteige, um dich zu produzieren, Mutig, unerschrocken, die Kanzel; Darfst das Publikum nicht hoch taxieren. Damit deine Predigt dir geling’, Wart’ ein wenig, suche dich zu fassen; Nase, Mund und Bart in Ordnung bring’. Alles das darfst du nicht unterlassen. Ganz gefaßt dann deine Red’ anfang’ Und halte sie ohne jedes Zagen. Vor dem Publikum sei dir nicht bang; Du mußt ihm die volle Wahrheit sagen. Deinen Mund so voll als möglich nimm, Du darfst als Prediger alles wagen; Red’ mit Pathos, mit sehr lauter Stimm’, Kannst auf das Pult mit der Faust auch schlagen. Wenn du auftrittst mit der nötigen Kraft, Und mir folgest in deinem Verhalten, Deine Red’ dir dann Respekt verschafft Bei den Jungen und auch bei den Alten. Zum Schlüsse will ich einige Streiflichter auf die modernen Ghettogeschichten werfen (vgl. Groß, Allgemeine Zeitung des Judentums 1908, Nr. 6—7. »Das Ghetto in der Dichtung«), Diese wollen uns das immer mehr verblassende Bild des eigentümlichen Lebens des Ghetto mit seinen Licht- und Schattenseiten vor die Seele führen. Sie kleiden das Schöne des innigen, reichen Gemütslebens, das bei allem Leid im Ghetto pulsierte, in eine idyllische Form und zeigen uns die Mängel der Bewohner des Ghetto, die in dem schweren Drucke und ihrer sozialen Ausschließung ihren Grund hatten, in dichterischen Gestalten verkörpert, die uns als satirische