Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829815-2888360--36171-2888406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Satire in der jüdischen Literatur. 281 Respektable Kleidung würdig macht. Setz auf, nicht zu vergessen, eine Brille. Im Tempel steh׳ dein Mund niemals still; Ab und zu mußt fromm du gen Himmel blicken, Heiße Tränen vergießen gar viel, Auch dann und wann tief zur Erd׳ dich bücken. Den Bart lass wachsen, daß er werd׳ So lang, daß er bis zum Nabel walle, Denn das für den Rabbi sich gehört, Der will, daß ihn respektieren alle. Baana: Was du mir rätst, ist weise und gut, Aber ich habe wohl viel studieret. Zum Predigen fehlt mir doch der Mut, Da ich dies niemals hab׳ probieret. Rechab: Das Predigen freilich ist gar schwer, Wenn man selbst das nöt’ge Mehl müßt׳ mahlen. Aber man begegnet selten mehr Echten Prediger-Originalen. Mancher Prediger sehr geistreich spricht, Und wunderschön Bibelstellen deutet. Doch, was er redet, gehört ihm nicht, Er hat fremde Werke äusgebeutet. Mancher gerne sich bedient der Mystik, Will mit ihrer tiefen Weisheit prahlen, Erklärt das Bibelwort durch Kunststück Mit dem Spiel der Buchstaben und Zahlen. Das Publikum, zu dem er so spricht, An das er mit solcher Kunst sich wendet, Versteht dieselbe mitunter nicht, Doch wird’s durch ihren Zauber geblendet.