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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 3 · p. Seite 279

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 3
Article
Die Satire in der jüdischen Literatur
Date
1908-01-01
Page
Seite 279 (sequence 23)
Language
German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 279 führen, die Predigten des berühmten Ephraim Lenczyz (gest. 1619 in Prag), der in seinen zahlreichen allgemein bekannten Predigten sich die Aufgabe gestellt hat, ich möchte sagen, im Geiste der Propheten die ethische Seite des Judentums mit besonderem Nachdruck hervorzukehren. Er geißelt mit seltener geistsprühender Beredsamkeit schonungslos die sittlichen Gebrechen seiner Zeit und warnte seine Glaubensgenossen ganz besonders davor, durch ihr Betragen Anstoß bei den Christen zu erregen, damit das Judentum nicht falsch beurteilt und etwaigen Angriffen ausgesetzt werde. Der berühmte polnische Wanderprediger ZebiHirsch Woydyslaw (1796—98 in Berlin, vgl. Bäck a. a. 0. S. 685) bedient sich in einer Predigt des folgenden Gleichnisses: Eine weise Regentin sandte ihren Minister nach einer entfernten Gegend ihres Reiches, damit er sich daselbst über den Zustand der Sträflinge orientiere, die in einem Hüttenwerke arbeiten mußten. Er war über das schlechte Aussehen der Arbeiter entsetzt und stellte den Direktor des Hüttenwerkes darüber zur Rede. Auf die Mitteilung, daß die Arbeiter deshalb so schlecht aussähen, weil sie durch die Kraft ihrer Lungen die Glut des Feuers im Schmelzofen anfachen müssten, erklärte der Minister dem Direktor den Mechanismus des Blasebalges, durch den die Arbeiter von ihrer Anstrengung entlastet würden. Als der Minister im nächsten Jahre wieder das Hüttenwerk besuchte, fand er zu seinem größten Erstaunen wieder den alten Schlendrian vor. Wo sind, fragte er entrüstet den Direktor, die Blasebälge? Ja, antwortete dieser: Ich habe die Blasebälge wohl erhalten, aber sie wirkten nicht mehr, weil die Glut bereits erloschen war. Nun freilich, sprach der Minister: Wenn Ihr die Glut ersterben lasst, da nützt kein Blasebalg mehr. Das ist, sagte der Prediger zu seinen Zuhörern, unter denen sich auch David Friedländer, Mendelssohns Freund,

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