Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 19)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 275 entvölkert und verarmt war, so daß viele Juden, die an den Bettelstab gekommen waren, bei den reichen Glaubensgenossen der größeren Städte Unterstützung suchten und oft von diesen hartherzig behandelt wurden. Für diese armen Juden brach nun der Dichter Gumplin eine Lanze in dem Gedichte, das ich in der folgenden Übersetzung wiedergebe (vgl. den Text bei Geiger, Melo Chofnajim S. 51.). Arme Leute, welche unstet wandern ln der sie arg bedrängenden Not Immerfort von einer Stadt zur andern, Um zu erbetteln ihr tägliches Brot, Haben im Unmute mich gebeten, Daß ich gegen den Geiz, der nicht kennt Ein Erbarmen mit den harten Nöten, Geißelnd ein paar scharfe Pfeile send’. Die Geizigen geb ich preis dem Spotte. Sie wohnen an dem schönen Rheinstrom’, Doch sind eine so häßliche Rotte Sie wie die Leut’ des verfluchten Sodom. Nennen ihr Land Zarfat (צרפת), Reich der Franken, Das heißt hebräisch doch (צר פת) Brod leer, An großer Hartherzigkeit sie kranken. Gehören wie Sodom an das Tote Meer. Ihre Heldentaten will ich preisen, Will erzählen, was sich Schön’s zutrug, Was geschehen ist in ihren Kreisen, Will schildern ihren Charakterzug. Wenn die Armen an die Türen klopfen, Ruft der Hausherr seine Frau herbei. Sieh’, Gesindel seinen Bauch will stopfen, Fütt’re es mit einem bill’gen Brei. 18*