Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 18)
- Language
- German
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274 Die Satire in der jüdischen Literatur. Sitzt trauernd an des Ufers Rand Und singt und spielt mit müder Hand. Süßkind, der sich seiner dichterischen Kraft voll bewußt war, unternahm es wie die anderen Minnesänger, von Burg zu Burg zu ziehen und für Geld seine Lieder erklingen zu lassen. Verbittert über seinen Mißerfolg stimmte er folgendes satirische Lied an : Was soll dieses traurige Wandern Mit Sang und Saitenspiel Von einer Burg zur andern? Was ist mein Lohn, mein Ziel? Sie wissen, daß der Sänger Verhaßten Glaubens Sohn; Sie reichen ihm nicht länger Den kargen Minnelohn. Verstummet denn, ihr Lieder, Vor jedem Edelhaus. Ich will als Jude wieder Ziehn in die Welt hinaus. Will Mantel und Hut erfassen Und will nach Judenart Mir wieder wachsen lassen Den langen grauen Bart. So will ich still verbringen Den Rest, der mir beschert, Und denen nicht mehr singen, Die meiner Kunst nicht wert. Weniger anmutig, aber nicht weniger sarkastisch ist die Satire eines sonst unbekannten Dichters Namens Gum plin, der in hebräischer Sprache ein Spottgedicht auf die reichen Juden des Rheinlands gedichtet hat. Das Gedicht stammt sicherlich aus der letzten Zeit des dreißigjährigen Krieges, in der das Rheinland furchtbar verwüstet,.