Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 273 An den heiligen Tagen Hergesagt und hergebetet Christi Leidensgeschichte, Anbetend den Gottmenschen, Daß er mich von meiner Sünde erlöse, Kann ich doch nicht den Namen Des alten, schandbaren Juden verlieren. O Königin von großer Macht! Zum Gedeihen des heiligen Glaubens Will unser Herr nicht Mit Zorn den Tod des Sünders, Sondern, daß er lebe und Reu׳ empfinde. IX. Wenn der genannte spanische Troubadour auch nach seiner Taufe sein jüdisches Herz bewahrt hat, was einige Anerkennung verdient, so hat Süßkind von Trimberg (Anfang des 13. Jahrh.) als deutscher Minnesänger seinen jüdischen Glauben überhaupt nicht aufgegeben. (Graetz Gesch. VI, S. 277; L. Fürst, Illustrierte Monatshefte usw. I, S. 12.) Seine Gedichte schließen in schönen Formen köstliche Gedanken in sich. Süßkind konnte mit den anderen deutschen Minnesängern wetteifern, aber er war doch nur ein Jude und erfuhr als solcher manche Zurücksetzung. In seinem Unmute darüber dichtete er die folgenden satirischen Verse: Das Lied verklingt im hohen Saal. Da zieht der Burgherr blank den Stahl; Allein die Gäste wehren ihm: »Er ist ein Jude! Laß ihn ziehn; Er ist des Ritterzorns nicht wert, Sein Blut beflecke nicht dein Schwert.« Und Süßkind zieht fort im Tale. Nun wallt er einsam an der Saale, Monatsschrift, 52. Jahrgang. 13