Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 14)
- Language
- German
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270 Die Satire in der jüdischen Literatur. ruft er ihm im Eingänge seines Briefes zu, ist Deiner Rede Form, aber die Gedanken, die sie ausdrückt, ist ganz abnorm. Deine Fittige sind die einer Taube, aber Dein Leib ist der eines Raben. Du predigst Liebe und birgst im Herzen Haß. Du gleichst einem häßlichen Frauenzimmer, das sich mit glänzendem Schmucke bedeckt und süß flötet, um die Männer zu fangen«. Er unterzieht dann die wichtigsten christlichen Dogmen einer zersetzenden Kritik. Ich mag seine Worte nicht wiedergeben, denn seine Einwendüngen sind nicht neu. Bewundernswert ist der Mut, mit dem er in einer Zeit des widrigsten Sykophantentums der jüdischen Apostaten seine Meinung offen aussprach. Seine Satire wirkt durch den überaus geschickten Musivstil und durch die Wahrheit, mit der er dem Gegner die bittersten Pillen nicht kandiert, sondern in natura zum Verschlucken reicht. (Bonfeds Antwort ist abgedruckt mit der Epistel Efodis in der ed. Konstant, und auch im קובץ ויכוחים Breslau 1846.) Von seinen Schriften, die sich zum Teile handschriftlieh erhalten haben (vgl. seinen Diwan Cod. Bodl. Nr. 1984 und Cod. Halberstam Nr. 242, vgl. dessen Katalog) sind nur wenige veröffentlicht worden. Zu den letzteren gehören unter anderen zwei Schriften, ein Pamphlet gegen seine Gegner von Saragossa, die ihn aus seiner Stellung als Rabbiner daselbst verdrängt haben, und denen er die gröbsten Insulten ins Gesicht schleudert (ed. von Steinschn. in seinem Katalog der Michaelschen Bibliothek) und ein Streitgedicht gegen dieselben Gegner, (שיר התלונה ed. in דברי חפץ S. 21 und von Egers, Monatsschr. 1884, S. 523.) In diesem Gedichte gibt er ergreifenden Ausdruck dem Schmerze über das Mißgeschick, das seine Feinde ihm bereitet haben, und findet seinen Trost in der Erwägung, daß der große Meister S a 10 m p I b n G abirot seiner Zeit ebenfalls von den Saragossanern verfolgt wurde. Gabirol erschien ihm, so erzählte er, in einer Vision, begrüßte ihn als seinen Sangesbruder und bot ihm seinen Beistand gegen