Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
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266 Die Satire in der jüdischen Literatur. Nein, man acht/ mich nicht für dumm, Weil nach vieler Juden Lust Ich nicht knechtisch schweige stumm, Da ich Bess’ren mir bewußt. Das Glück, das die Juden unter der Regierung Don Bedros genossen, war nicht von langer Dauer. Seine Nachfolger standen ganz und gar unter dem Einflüsse der judenfeindlichen Geistlichkeit. Es hat auch nicht an Apostaten gefehlt, welche das Volk gegen ihre früheren Glaubensgenossen aufhetzten. Einer von ihnen war Pedro Fe r r u s. Er war einst in Alcala, und schlich sich daselbst in das jüdische Lehrhaus ein, wo er übernachtete. Morgens wurde er aus dem Lehrhaus verwiesen. Er sandte darauf ein Spottgedicht in kastilischer Sprache über seine frühere Religion an die Rabbiner von Alcala. Diese antworteten ihm mit einem Gedichte in derselben Sprache, in dem sie ihm andeuteten, daß er seinen Glauben doch nur um des schnöden Gewinnes willen verlassen habe. Iclr teile nur die folgenden Strophen, mit. (Kayserling a. a. O. S. 48.) Wir Rabbis wollen im Verein Bescheid Don Ferrus geben, Nur mogJ er so verständig sein Und sie zu verstehen streben. Bewiesen ist fiir alle Zeit: Es währt nicht alle Ewigkeit Das Erdenglück, das dich erfreut. Ob heiter auch dein Aug’ jetzt blickt, Die Trübsal dich verlassen, So ist doch gar zu ungeschickt Dein allzu närrisch, gottlos Spaßen. Mach’ über Gott nur deinen Witz, Wozu ist auch er sonst wohl nütz, Wenn man im Amt und Reichtum sitzt.