Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 265 S. 19 ff., wo dieses Gedicht teilweise übersetzt ist, vgl. Graetz, Gesch. VII. S. 408 ff.) Es ist seltsam, daß ein Jude dem Könige von Kastilien Ratschläge und Unter- Weisungen erteilte, die zum Teil aus der Bibel und dem Talmud stammen. Diese Tatsache an sich entbehrt nicht des satirischen Beigeschmacks. Das erwähnte Gedicht enthält auch satirische Spitzen nicht nur gegen die Vorurteile, welche man christlicherseits gegen die Juden hegtCj als ob diese weniger wie die Christen leisten könnten, sondern auch gegen die Juden, welche in ihren Stellungen oft den materiellen Gewinn im Auge haben. Dieser letztere Fehler mag wohl bei dem einen oder andern Juden vorgekommen sein. Der Dichter mag selbst als Dichter in den christlichen Kreisen seiner Zeit nicht die verdiente Anerkennung gefunden haben. Ich teile nur einige Strophen als Probe mit: Sollten And’re größer sein Meines Volkes, als ich bin, Weil vom Könige sie allein Zogen Gut und viel Gewinn? Sollte gut sein meine Red’, Hör* sie nicht verächtlich an, Weil der Autor niedriger steht, Als wohl mancher Rittersmann. Ist die Rose minder schön, Weil ihr steht der Dorn zunächst? Ist die Rebe zu verschmäht Etwa, weil aus Holz sie wächst? ist der Habicht minder wert, Weil im schlechten Nest die Brut? Weil der Jude dich es lehrt, Ist das Beispiel minder gut?