Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Satire in der jüdischen Literatur
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264 Die Satire in der jüdischen Literatur. jugendliche Philosoph schildert dagegen enthusiastisch die Vorzüge der Philosophie, die er für das geeignetste Mittel hält, das Judentum vernunftgemäß zu begründen und seine Wahrheiten zu erfassen, sowie die Zeremonien nicht knechtisch um des Lohnes willen, sondern ihrem höheren ethischen Zwecke gemäß zu betätigen. Der Jüngling übertreibt aber ebenso wie der Greis, indem er z. B. die Philosophie höher stellt als die Prophetie und den reinen Rationalismus predigt. Die Streitenden können sich nicht mit einander verständigen, Sie werfen einander die gröbsten Beleidigungen an den Kopf. Wo die Argumente versagen, stellen sich die gröbsten Schimpfworte ein. Der Jüngling schont das Greisenalter nicht. Der Greis greift zum letzten Mittel, das er, wie es die Fanatiker zu alten Zeiten getan haben, für allein probat hält, die Wahrheit unschädlich zu machen. Er. ruft: »Tötet, steinigt den Gottlosen, ficrasez l’infäme!« Der Streit beider wurde dem Könige unterbreitet, und dieser schlichtete ihn dahin, daß der starre Glaube ohne vernünftige Erkenntnis dem Menschen ebenso wenig volle Befriedigung gewähre, wie die Vernunfterkenntnis allein ohne Glauben. Das Judentum fordere beides. Glauben und Wissen, Religion und Philosophie, müssen sich mit einander harmonisch vereinigen. Ein jüngerer Zeitgenosse des genannten Isaak Polkar war S ehern to b, ein talmudisch gelehrter Mann, der als einer der bedeutendsten kastilischen Dichter seiner Zeit unter den Namen D 0 n San 10 b oder Santo d e Carrion bekannt ist. Er verkehrte am Hofe des Königs Don Pedro von Kastilien (1350—-1369), unter dessen Regierung die Lage der Juden in Kastilien sich äußerst günstig gestaltet hatte. Don Santo war nicht getauft, wie früher hie und da angenommen wurde, denn er bekennt sich in seinen Gedichten selbst als Jude. Er widmete dem genannten Könige ein langes Gedicht in kastilischer Sprache unter dem Titel Consejos, »Ratschläge« (vgl. Kayserling, Sephardim,