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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 3 · p. Seite 263

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 3
Article
Die Satire in der jüdischen Literatur
Date
1908-01-01
Page
Seite 263 (sequence 7)
Language
German
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Die Satire in der jüdischen Literatur. 263 Nein, ich zage nicht, ich kenne, Was die Weisheit hat entdeckt; Doch, was du zu finden wähntest, Hat mir Lachen nur erweckt. (Geigers Übersetzung.) Isaak Polka r (ca. 1270—1340) bietet uns in seinem Werke »Hilfe für die Religion«, in dem er die verschiedenen Parteien im Judentum kritisch beleuchtet, eine eigenartige Satire. (עזר הדת Cod. 57 der Breslauer Seminarbibliothek.) Dieses Werk besteht aus 5 Abschnitten. Der zweite enthält einen Dialog in Makamenform zwischen einem Stoekgläubigen und einem Philosophen. (ויכוח התורני עם הפילוסוף, ed. in טעם זקנים S. 12.) Der Stockgläubige, ein würdiger, in seinen Gebetmantel gehüllter Greis, und det Philosoph, ein schöner Jüngling, zanken miteinander in einer Volksversammlung in Jerusalem. Der Stockgläubige repräsentiert das starre tälmudische Judentum. Er verdämmt die Philosophie, die viele Irrtümer lehre und den Glauben zerstöre. Das viele Nachdenken sei überhaupt für die Religion gefährlich. Die Jugend müsse davon ferngehalten und zur völligen Hingebung ah Gott angeleitet werden. Die Philosophen seien Gottesleugner. Sie gehen nicht in die Synagoge, tragen keine Schaufäden an ihren Kleidern, legen keinen Tefillin, haben in iHred Häusern keine Mesusa. Das echte Judentum verlange die strengste Beobachtung aller Zeremonien. Darin allein liege das Heil der Israeliten. Über ihren Zweck nachzuforschen, sei unstatthaft. Das Judentum fordere vor allem ihre Betätigung. Nur eine Forschung sei heilsam, die Vertiefung in dasjenige, was Gott durch seine Propheten offenbart hat, so wie in die Geheimnisse der Haggada und vor allem der Kabbala. Darin allein liege die höchste Weisheit; alles andere, was nicht darauf Bezug hat, sei vom Übel; alles, was aus den -externen Schriften«, d. h. aus den nicht jüdischen Werken geschöpft wird, sei verwerflich und schädlich. Der

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