Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Juden in neuen Romanen
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 9)
- Language
- German
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Analekten. 243 tischer Theologe mit hämisehem Behagen Vorgefühl wird, der seine Sinnlichkeit schließlich nicht besiegen kann u;nd dadurch seines theologischen Berufes unwürdig fird. Das letztere, also das Antijüdische, zeigt sieh deutlicher. Teils darin, daß eine freilich von ihrem jüdischen Geliebten vergewaltigte, dann .niederträchtig behandelte und in ihren Mutternöten entsetzlich gequälte Christin diesen ihren Verderber al,s Juden schmäht und verflucht, teils in der Polemik gegen jüdische Unsitten. Diese sieht der Verfasser einerseits •in :der ׳ s;G.hleeh:te1t Erziehung der Kinder, andererseits in dem Zwang, der auf die Verheiratung der Mädchen geübt wird, Als Typus für die erstere wird ein Ehepaar, Kpmmerzienrat Strauss, vorgeführt, die in einer glänzenden Villa im Grunewald leben, die Erziehung ihrer Kinder einem Hauslehrer überlassen und dadurch sich die Kinder entfremdend, durch den Selbstmord ihres Lieblingssohnes gestraft werden. Als Beispiel für die letzteren dient ein Ehepaar Unrast, kleine Kaufleute, die ihre bildschöne Tochter Rebekka an einen gewöhnlichen Ladenjüngling verschachern wollen. Wir machen auch die Bekanntschaft einer Cousine der letzteren, Ella Löwenstein, die dem gleichen Lose verfällt, es aber williger trägt, als die Heldin des Buches. (Bei der Schilderung dieser jüdischen Kreise, die übrigens einen ganz kleinen Teil unseres Buches einnimmt, zeigt sich eine ganz offenkundige Nachahmung von Georg Hermann, nur freilich ohne dessen Humor und ohne dessen intime Kenntnis jüdischer Dinge. Der Gegensatz besteht auch darin, daß Hermann seine Geschichte in eine zeitlich von uns entfernte Periode legt und dadurch Wohlbehagen erregt, der neuere Autor dagegen durch die Wahl der Gegenwart uns schwer Glaubliches zumutet). Die Hauptpersonen des Buches sind die Ge־ schwister Ephraim und Rebekka Unrast Jener, ursprünglieh Hauslehrer, dabei heimlich Dichter, wird Journalist und ist der Träger der eigentümlichen Lebensphilosophie 16*