Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 2 · p. Seite 244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 2
Article
Juden in neuen Romanen
Date
1908-01-01
Page
Seite 244 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829811-2829814-2888210--36126-2888344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 Analekten. des Dichters; diese, ein bildschönes Mädchen, befreit sich von dem Zwange des Elternhauses, gibt sich einem berühmten Schriftsteller hin, sinkt von Stufe zu Stufe, erhebt sich dann zur gefeierten Maitresse eines russischen Fürsten, bis sie endlich von ihrem Bruder erschossen wird, denn diesem Bruder hatte sie seit langer Zeit keine Schwester״ liehen Gefühle, sondern die einer Geliebten entgegengebracht. Der Traum ihres Lebens ist, von ihm Mutter zu werden, und um diesen Traum zu verwirklichen, veranlaßt, ja zwingt sie ihn fast zu dem scheußlichsten aller Verbrechen; Nun braucht man als jüdischer Kritiker gewiß nicht die Juden zu glorifizieren, man kann vielmehr ruhig zugestehen, daß auch jüdische Jünglinge unkeusch leben, von Genuß zu Genuß taumeln, vielleicht auch, wenn dies auch nicht allzu häufig vorkommt, sich dem Trunk ergeben; man mag auch einräumen, was ja durch traurige Beispiele aus dem Leben der Großstädte oft genug bestätigt wird, daß bei einzelnen jüdischen Mädchen die Sinneslust sehr stark ist und zu schauderhaften Exzessen führt; daß aber derartige Scheußlichkeiten, wie sie von diesen Geschwistern geübt werden, als jüdische Eigentümlichkeiten bezeichnet werden, ist eine Verunglimpfung, die man nicht billigen, nicht einmal dulden darf. Wäre das Buch ein rein pornographisches, ein solches, dessen Verfasser mit lächelndem Behagen im Schlamme wühlt, so könnte man es unerwähnt lassen, brauchte sich wenigstens nicht darüber zu ereifern. Das Schlimme ist, daß der Verfasser ernst zu bleiben versucht, und eine gewisse erhabene Glorifizierung dieses Treibens unternimmt, dadurch, daß er in diesem wüsten Sinnenkultus das Heranbrechen einer neuen Zeit des Griechentums, der Herrschaft der Schönheit, eines großen, freien, alle alten Vorurteile zertrümmernden Lebens zu preisen versucht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.