Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Juden in neuen Romanen
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 8)
- Language
- German
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242 Atialekten. gemein selten und darum doppelt erquickend, einen Juden geschildert zu sehen, der in seiner Sprache und Tracht die Eigentümlichkeiten der Vorvordern beibehalten, doch als Muster der Redlichkeit dargestellt wird und Anerkennung bei, den Vertretern aller Stände genießt. Ob freilich ein solch altgläubiger Israelit auf den Gruß »Gelobt sei Jesus Christus« antworten möchte »In Ewigkeit Amen,« wie in unserem Buche häufig geschieht, muß doch stark bezweifelt werden. In gewissem Sinne kann man den Roman von Kurt Münzer »Der Weg nach Zion« (Stuttgart, Axel Junker) einen jüdischen Roman nennen. Keinen zionistischen, denn unter Zion wird hier nicht etwa Palästina verstanden und den Juden die Übersiedlung nach diesem Lande empfohlen, sondern: das neue Leben, d. h. die schrankenlose Befriedigung des Schönheitstriebes, des Sichauslebens, worunter besonders die Betätigung der niedrigsten Triebe verstanden wird: Was davon alles in diesem Buche erzählt wird, kann an dieser Stelle kaum angedeutet werden, und die eigentliche Handlung: das diebische Verfahren eines berühmten, übrigens christlichen Schriftstellers, der sich an dem geistigen Eigentum junger Autoren, die zufällig Juden sind, bereichert, weil er in ihnen gefährliche Konkurrenten fürchtet, soll hier nicht näher erzählt werden. Auch die Natur- und Gesellschaftsschilderungen des überaus dicken, an anziehenden und abstoßenden Stellen gleich reichen Buches sollen hier nicht weiter verfolgt werden. Was uns an dieser Stelle hauptsächlich oder ausschließlich interessiert, ist das Jüdische an dem Buch. Da muß zunächst bekannt werden, daß der Leser, der auch im Zweifel bleibt, ob der Verfasser Jude ist oder nicht, bis zum Ende nicht klar darüber wird, ob das Buch für oder gegen die Juden geschrieben ist. Das erstere scheint daraus hervorzugehen, daß die Unsittlichkeit der christlichen Kreise mit starken Strichen gezeichnet wird, so daß z. B. ein protestan-