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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1908-01-01 · Heft 2 · p. Seite 238

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
52 (1908)
Issue
Heft 2
Article
Juden in neuen Romanen
Date
1908-01-01
Page
Seite 238 (sequence 4)
Language
German
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238 Aualekten. stämmling anhaften. Und da ist es nun merkwürdig, daß der Held zunächst als erklärter Antisemit erscheint, der z. B. da er sein Jahr als Einjährig-Freiwilliger in einem feudalen Kavallerieregiment abdient, einen zugleich mit ihm dienenden getauften und geadelten Juden sehr unsanft von sich abschüttelt, nachdem er seine Annäherung zuerst geduldet hatte, und daß er jenem mit furchtbarem Cynismus seine antisemitische Gesinnung offenbart, während er doch gleichzeitig von dem Obersten seines Regiments wegen seiner Nase und seines trotz aller vornehmen Allüren erkennbaren Habitus für einen Semiten gehalten wird. Vor allem aber: der ganze moralische Zusammenbruch dieses jungen Menschen, der sich infolge des ihn umgebenden Geheimnisses für einen Fürstensohn gehalten, erfolgt erst, als die Fremde, die als Mahnerin, Beraterin sein Leben durchkreist und schließlich im entscheidenden Moment als seine Lebensretterin auftritt, sich ihm als Jüdin und als seihe Mutter zu erkennen gibt. Dieses innerliche Verstörtsein wird ergänzt durch die äußere Vernichtung, da der Held in einer Wählerversammlung, in der er für Habsburg und Rom gedonnert, zum Kampfe gegen die internationale Pest des Judentums aufgefordert, von seinen Gegnern moralisch abgetan wird durch den Zuruf: »Bravo, Jud’i Gut gebrüllt Sarasohm. Wie der Held, obgleich er die Karrikatur eines Juden darstellen soll, auf die Juden schimpft, so tun es auch die übrigen Personen des Romans: ein Prinz, der sich nicht scheut, das Geld des Helden zu nehmen, seine Gastfreundschaft in ausgiebigster Weise zu genießen, ja selbst ihm Freundschaft zu bezeugen, erklärt bei seinem Verschwinden: »Alles Schwindel gewesen, einfach Jude«. Aber der Verfasser begnügt sich nicht mit Schimpfen, sondern in ähnlicher Weise wie Bleibtreu (s. u.) sucht er das Judentum als die den Geschmack, das literarische Urteil verschlimmernde oder niederdrückende Macht därzutün. So läßt er einmal einen regierenden Herrn,

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